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Kritik: Schrecklichschöne neue Welt

New York im Jahre 2095: Majestätisch schwebt eine riesige Pyramide über der wimmelnden Metropole. Die seit Urzeiten regierenden ägyptischen Götter sind zurückgekehrt. Einer von ihnen, Horus, hat seine Unsterblichkeit verloren.

Seine Zeit läuft ab, er muss hinab in den Moloch, um sich einen Körper zu suchen. Sieben Tage bleiben dem gefallenen Gott noch, und für den Dissidenten Nikopol (Thomas Kretschmann) wird am Ende dieser Woche nichts mehr so sein wie zuvor.

Der 1951 in Belgrad geborene Comiczeichner und Regisseur Enki Bilal entwirft in seinem kunstvollen Science-Fiction-Märchen «Immortal» eine schrecklich-schöne neue Welt. In vier Jahren akribischer Arbeit ist eine brillante Kombination aus Trick- und Realfilm entstanden, ein ganz unvergleichliches Zukunftsszenario mit gesellschaftskritischen Untertönen und einer hinreißenden, metaphysisch angehauchten Love-Story. Vergleiche mit Genre-Klassikern wie «Blade Runner» oder «Das fünfte Element» taugen wenig, Bilal hat in der Tat eine ganz persönliche Vision verwirklicht.

Der Gott Horus steigt hinab und bemächtigt sich des Körpers von Nikopol, dem Revoluzzer, der 30 Jahre lang im Tiefschlaf lag. Mit Hilfe des Gottes erwacht er nun zu gigantischer Vitalität und Manneskraft. Er lernt die Mutantin Jill (Linda Hardy) kennen, wenig später schläft er mit ihr. Die Grenzen zwischen Göttern, Menschen und Mutanten verwischen immer mehr. Ein bizarre «ménage a trois» nimmt ihren Lauf.

Die Zukunft sieht verdammt alt aus in Enki Bilals morbider Zukunftsvision. Die molochartige Stadt wird regiert von dem «Eugenics»-Großkonzern, die meisten Bewohnern sind zu wandelnden Ersatzteillagern mit grässlichen Narben degradiert, zudem bedrohen kriminelle Mutanten die öffentliche Ordnung. Inmitten dieses Alptraums erscheint die Medizinerin Dr. Elma Turner (Charlotte Rampling) als einsamer Lichtblick. Sie allein scheint noch Mitgefühl zu besitzen, auch zu ihrem Geschöpf Jill. Diese geheimnisvolle Figur mit den blauen Haaren und der schneeweißen Haut bildet das pochende Herz dieses Films. Einmal steht sie vor dem Spiegel, weint blaue Tränen, und ihr Antlitz verschwimmt. Die Identitäten lösen sich auf in dieser Welt und Erlösung verspricht nur die Liebe.

Später fliehen Jill und Nikopol in den tief verschneiten Central Park, die verbotene Zone. Aber im von Dämonen und Körperjägern bevölkerten New York gibt es keine Zukunft für die Liebenden. Enki Bilal hat sich ein wunderbares Finale ausgedacht für sein düster- bissiges Science-Fiction-Meisterwerk. Ein Jahr nach ihrem ersten Rendezvous treffen sich Jill und Nikopol in Paris wieder. Jill ist Mensch geworden, sitzt mit ihrem Kinderwagen am Eiffelturm und liest Gedichte von Baudelaire.

dpa

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Nach dem Martinszug ziehen die Laternenkinder mit ihren Eltern nochmal los. Sie klingeln an Haustüren, singen Martinslieder und bekommen dafür Mandarinen, Nüsse oder Süßigkeiten. Dieser Brauch heißt je nach Region Schnörzen, Dotzen oder Gribschen. Aber gibt es diese Tradition überhaupt noch?

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