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Kritik: Romantische Komödie aus der Dogma-Werkstatt

Was tun, wenn die Todesnachricht vom lange vergessen geglaubten Vater kommt? Was tun, wenn die Leiche tagelang auf dem Küchentisch seines verfallenen Bauernhofes liegt und darunter ein schwachsinniger Bruder hockt, der versorgt werden muß? Der dänische Jung-Unternehmer Kresten (Anders W. Berthelsen) heuert per Annonce eine Haushälterin an, die sich aber nicht als die erwartete Matrone erweist.

Das schöne Callgirl Liva (Iben Hjejle) nimmt die Stelle in der tiefsten dänischen Provinz an, weil sie einem perversen Dauer-Anrufer in Kopenhagen entkommen will. Im Gunstgewerbe ist sie tätig, weil das Internat für ihren etwas schwierigen kleinen Bruder bezahlt sein will.

"Mifune" erzählt von der Vergangenheit der beiden, ihrer sich langsam entwickelnden Liebesgeschichte und von der Fürsorge beider für ihre Brüder. Wie schon "Das Fest" von Thomas Vinterberg wurde "Mifune" im eigenen Land ein ausgesprochener Kino-Hit und heimste internationale Preise (Silberner Bär in Berlin 1999) ein. Ein ähnlich unter die Haut gehender Film wie Vinterbergs Offenlegung von sexuellem Mißbrauch in einer Familie aber ist "Mifune" nicht und auch kein aufwühlendes und abstoßendes Erlebnis wie Lars von Triers "Idioten".

In "Mifune" wird weit weniger mit wackliger Handkamera und grobkörnigen Video-Bildern gearbeitet. Hier herrscht ein warmherziger, witziger und freundlicher Ton. Man sieht mit Wohlwollen, wie der zum Elternhaus zurückgekehrte Yuppie Kresten und die vor widerlichen Freiern flüchtende Liva sich langsam näherkommen, wie sie sich in der verfallen-romantischen Umgebung der sommerlichen Insel Lolland von ihrer ungeliebten Hauptstadt-Existenz in Kopenhagen lösen.

Kragh-Jacobsen selbst hat seinen Film zurecht als "romantische Komödie" eingestuft. So gut wie alle Figuren sind mit Sympathie gezeichnet – abgesehen von einem finsteren Nachbarn und einem fiesen Schulleiter, dem Callgirl Liva dann aber auch nach Erledigung ihrer dienstlichen Obliegenheiten zur Strafe auf den Perserteppich pinkelt. Ansonsten aber mühen sich in "Mifune" alle redlich und oft sehr komisch um die Vereinigung von Anstand gegenüber dem Nächsten und Freude am Dasein.

Den Kampf gegen unbekümmert aufgetragene Klischees gewinnt der Film nur in der ersten Hälfte, bis die Vorgeschichte von Yuppie und Callgirl erzählt und beide auf dem Bauernhof zusammengeführt sind. Danach fehlt es der Liebesgeschichte dann doch an eigener Dynamik und Überraschungen. Beeindruckend dennoch bis zum Schluß alle Hauptdarsteller, von denen die 28jährige Iben Hjejle im eigenen Land mit einem Schlag zum Star avancierte.

Thomas Borchert, dpa

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