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    Kritik: Ridley Scotts "White Squall"

    Hamburg (dpa) – Manchmal steht Chuck Gieg das Grauen noch heute ins Gesicht geschrieben. Wenn sich der 52jährige zurückversetzt ins Jahr 1961, "dann tauchen all die schrecklichen Bilder wieder auf, als sei es erst geschehen". Damals befand sich Gieg als Schüler an Bord des Seglers "Albatross" und nahm an einer Schulfahrt teil – bis das Schiff in eine "White Squall", eine "weiße Boe", geriet und sank.

    Vier der 19 Besatzungsmitglieder fanden den Tod. Im letzten Jahr hat Gieg sich oft daran erinnern müssen, denn er hat maßgeblich am Drehbuch für Ridley Scotts filmische Verarbeitung des Desasters mitgewirkt. Am 2. Mai wird das Werk des Regisseurs von "Alien" und "Blade Runner" in den deutschen Kinos starten.

    "Bevor ich mich in der Lage sah, in das Projekt einzusteigen, mußte ich erstmal in eine Therapie", erzählt Gieg. 34 Jahre lang habe er "mit allen Mitteln versucht, das Schreckliche zu verdrängen. Wir alle standen damals unter Schock." Nun habe er mit seinem Engagement für das Projekt endlich das Erlebte aufarbeiten können. "Außerdem lag mir daran, daß unsere vier Toten, die dort irgendwo anderthalb Meilen tief begraben liegen, nicht in Vergessenheit geraten".

    Daß ein Film wie der von Scott nicht unbedingt den Realitäten Rechnung tragen würde, habe er natürlich gewußt, "wie soll man 5 000 Stunden ohne Verlust auf zwei reduzieren?" Dennoch kann Gieg mit dem Ergebnis "ganz gut leben". Das sahen die amerikanischen Kritiker zum Teil anders: Sie warfen der Geschichte von 15 Teens, die in rauher See zur eingeschworenen Gemeinschaft werden, Pathos und Zähigkeit vor, ein Urteil, das vor allem für das tränenreiche Finale gelten mag. "Es entspricht auch nicht der Realität", gibt Gieg zu, "es ist vielmehr eine Szenerie, die ich mir damals gewünscht habe, die aber leider nicht stattgefunden hat."

    Sie könnte bald nachgeholt werden: Im Juni werden sich die Teilnehmer der Schreckensfahrt erstmals nach 34 Jahren wieder treffen. Auch der ehemalige Skipper Christopher Sheldon, in Ridley Scotts Film eindrucksvoll von Jeff Bridges dargestellt, wird dabeisein. In "White Squall" wird ihm ein in manchen Punkten zweifelhaftes Denkmal gesetzt. Vielleicht bringt die Lektüre von Chuck Giegs Buch über die Katastrophe die Wahrheit ein Stückchen näher.

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