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Kritik: Richard Gere als Staranwalt in "Zwielicht"

Hamburg (dpa) – Nackt kommt der katholische Erzbischof von Chicago aus der Dusche, seine feisten Finger greifen nach den zuvor abgelegten schweren Ringen – da schlägt das mörderische Messer zu. Bestialisch wird der Würdenträger hingemetzelt. Den wenig später auf der Flucht festgenommenen blutbesudelten Ministranten vertritt Staranwalt Martin Vail freiwillig und kostenlos.

In seinem neuen Film "Zwielicht", der am 20. Juni in die deutschen Kinos kommt, spielt Richard Gere einen Verteidiger. Der ist mit allen Wassern gewaschen und liebt Publicity, erfährt durch den übernommenen Rechtsfall jedoch eine Wandlung.

Dem Regisseur Gregory Hoblit ist eine durchaus spannende Mischung aus Gerichtsdrama, Thriller und Psycho-Studie gelungen. Der Film basiert auf einem Roman von William Diehl und setzt sich mit der Frage nach Schuld, Wahrheit und Identität auseinander. Dabei spielt die Handlung auf mehreren Ebenen und nimmt immer wieder neue, überraschende Wendungen, die das nicht zu erwartende Ende allerdings auch unglaubwürdig machen.

Neben dem Mordfall spielt auch die Beziehung zwischen Vail und der kühlen Staatsanwältin Janet Venable (Laura Linney) eine Rolle. Beide verband einmal eine leidenschaftliche Affäre. Und da ist auch noch der machtbesessene und korrupte Oberstaatsanwalt (John Mahoney), der in ein von der Kirche betreutes millionenschweres Immobilien-Projekt verstrickt ist, und mit dem Erzbischof befreundet war.

Vail glaubt an die Unschuld seines naiv und verstört wirkenden Mandanten. Sein Zynismus und seine Mediensucht verlieren sich mehr und mehr zugunsten eines Engagements für den Ministranten, den Edward Norton sehr überzeugend darstellt. Gere meinte in einem Gespräch, ihn habe an dem Film vor allem die Frage nach der Beschaffenheit von Wahrheit interessiert, die nie objektiv sei, sondern sich je nach Blickwinkel ändere.

"Ich fand auch das Thema Betrug spannend, denn wir alle sind Betrogene, und jeder trägt Masken, hinter denen sich oft etwas ganz anderes verbirgt", sagte der amerikanische Filmschauspieler, der 1986 zum Buddhismus übertrat und sich für die Belange Tibets engagiert. In "Zwielicht" verändere sich die Persönlichkeit des Anwalts, und so sei es auch in der Realität: "Alles wandelt und verändert sich, auch wir Menschen sind keine absoluten, sondern relative Konstruktionen."

Brita Janssen, dpa

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