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Kritik: Regiepreis beim Sundance Film Festival

"Pi" ist der Titel eines originellen Werks, für das der inzwischen 30jährige Filmemacher Darren Aronofsky bei Robert Redfords renommiertem Sundance Film Festival 1998 mit dem Regiepreis ausgezeichnet wurde. Am Donnerstag (8. April) kommt Aronofskys ungewöhnlicher Thriller auch in Deutschland in die Kinos.

Max (Sean Gullette), ein verschrobener Mathematiker, ist besessen von der Idee, daß sich im Chaos unserer Welt eine Ordnung verbirgt. Sein Hirn und sein selbstgebauter Supercomputer Euklid laufen pausenlos auf Hochtouren: Wo ist die Gesetzmäßigkeit? Gibt es eine Zahl, die beispielsweise das Auf und Ab der Börsenkurse berechenbar machen kann?

Das abgeschottet lebende Genie zieht damit die Aufmerksamkeit von zwei Interessengruppen auf sich. Zum einen ist da eine Wall-Street- Firma, die mit Max in Kontakt kommt, als sie ihm einen bislang nicht erhältlichen Superchip anbietet. Zum anderen gibt es chassidische Juden, Anhänger der Geheimlehre der Kabbala: Sie glauben, eine 216stellige Ziffernfolge, die Max' Rechner vor seinem endgültigen Absturz ausspuckt, sei die Lösung, die sie so lange gesucht haben.

Mathematik und Religion seien keine unvereinbaren Gegensätze, meint Darren Aronofsky. Wissenschaftler von Stephen Hawking über Einstein bis zurück zu Pythagoras teilen nach Ansicht des Regisseurs ein Charakteristikum: "Sie suchen nach einer vereinenden Theorie. Darin zeigt sich, daß ihnen eine bestimmte Spiritualität zu eigen ist, auch wenn sie nicht religiös sind." Seine paranoide Haltung gegenüber der Umwelt, seine innere Unruhe, Wall-Street-Hyänen und orthodoxe Juden, deren Hetzjagd er kaum entkommen kann: Dieser Horror bringt Max an den Rand des Wahnsinns.

Spielfilmdebütant Aronofsky hat aus den schrägen Zutaten einen visuell bannenden Thriller gemixt. Beklemmende Schwarzweiß-Bilder - mal rasend schnell, mal quälend statisch – vermitteln Max' fanatischen Drang, das Rätsel um das aller Existenz zugrundeliegende System zu lösen. Das subjektive Gefühl des Protagonisten offenbaren Sequenzen, die mit einer am Körper des Hauptdarstellers befestigten Kamera aufgenommen wurden. Abgesehen von einigen Schwächen auf der Erzählebene bietet Aronofsky innovatives Kino, das vom Mainstream weiter entfernt ist als der thematisch verwandte Film "23 Nichts ist so wie es" von Hans-Christian Schmid.

Der mathematischen Größe Pi (das konstante Verhältnis von Kreisumfang zum Durchmesser) kommt im Film übrigens keine besondere Bedeutung zu. Sie dient lediglich als Sinnbild für eines der ältesten mathematischen Mysterien: eine unendliche Zahl, in der bisher niemand ein Wiederholungsmuster entdecken konnte.

Silke Weiss, dpa

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