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Kritik: Pulsierendes Jugenddrama über die GraffitiSzene

Die Farbe aus der Sprühdose bestimmt das Leben von David (Mike Adler) und seinen drei Freunden. Mit Herzblut zeichnen und feilen sie tagelang an ihren Skizzen, ehe sie bei Dunkelheit die streng bewachten Züge mit ihren schrill-bunten Motiven markieren.

Es geht um Ruhm, Respekt und künstlerische Verwirklichung. Als ein komplett besprühter Zugwaggon einer anderen Crew durch die Stadt rollt, entbrennt ein hitziger Kampf um Ehre und Anerkennung. Der kreative Wettstreit, rund 30 Jahre nachdem Graffiti als Teil der HipHop Kultur in New York entstand, treibt die vier jugendliche Sprüher an.

Florian Gaags preisgekröntes Spielfilmdebüt, mit weitgehend jungen Debütanten besetzt, fängt den rauen Alltag einer Graffiti-Crew zwischen Straßenunterführungen und S-Bahn Gleisen ein. Die von Gaag produzierten HipHop-Beats und seine unruhigen und wackeligen Bilder erzählen kraftvoll und pulsierend von ständiger Anspannung. Dabei entfalten sich die Hauptdarsteller in authentischen Dialogen zu enormer Präsenz. Für die visuelle Vorherrschaft auf den Zügen der Stadt vernachlässigen die Protagonisten Familie, Schule und Arbeit und müssen es immer wieder mit den Sonderfahndern der Polizei aufnehmen.

Der impulsiv-aufbrausende Tino (Florian Renner) agiert als junger Vater mit der Kompromisslosigkeit eines starrsinnigen Sprayers. Vom Windelwechseln überfordert, stellt er sich vehement in den Dienst des Sprühens. Dagegen spielt Achim (Jacob Matschenz) seinen ahnungslosen Eltern halbherzig und routiniert ein Ständchen am Klavier vor, ehe er sich in die Nacht davonschleicht.

Vandalismus oder Anti-Establishment-Kunst das geradlinig erzählte Jugenddrama greift die Klischees auf, die in der Diskussion um Graffiti kursieren. Gaag, der in den achtziger Jahren selbst zur Münchener Sprayer-Szene gehörte, zollt der Graffiti-Kultur seine Anerkennung. Bekannte internationale Sprayer wie Won oder Neon gestalteten für die Dreharbeiten die Züge in und um Warschau, nachdem jahrelange Verhandlungen in Deutschland und anderen europäischen Städten scheiterten.

Die Sprayer-Szene mit ihren ganz eigenen Werten, Regeln und Codes wird glaubwürdig dargestellt. Dennoch entwirft der Film ein Bild von Graffiti, das sich an einem ästhetischen Ideal aus den achtziger Jahren orientiert. Ein sich durch die urbane Tristesse schlängelnder «Wholetrain» – ein ganzer mit komplexen Bildern besprühter Zug – erscheint wie ein Relikt aus den Anfängen dieser Jugendkultur.

Vanessa Walz, dpa

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