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Kritik: Porträt von Einwanderern in Neuseeland

So nichtsagend der Filmtitel «No. 2 auch sein mag, diese schon als Theaterstück im Südpazifik erfolgreiche Geschichte bietet hohe Erzählkunst, die hier zu Lande für Produktionen aus Neuseeland fast schon zum Markenzeichen geworden ist.

Ein Wutanfall lässt Großmutter Nanna Maria schon mal zur Machete greifen, um Ordnung zu schaffen auf ihrem Grundstück No. 2 in Auckland, Neuseeland. Die alte Dame, über 80 und unangefochtenes Familienoberhaupt einer von den Fidschi-Inseln eingewanderten Sippe, setzt sich nach einer traumreichen Nacht in den Kopf, mit ihren Enkeln eine Fiesta zu feiern. Alle sollen essen, lachen und tanzen wie seit Jahren nicht mehr. Doch die Enkel tun sich schwer mit dem Herzenswunsch der halsstarrigen Oma (Ruby Dee).

Regisseur Toa Fraser hat mit seinem Spielfilmdebüt «No. 2» ein einfühlsames und erstaunlich fesselndes Familienporträt gezeichnet. Nach «Die letzte Kriegerin» (1994) um die Verelendung einer Maori-Familie und «Whale Rider» (2002) kommt Ende November noch das poesievolle und raffinierte Familiendrama «Als das Meer verschwand» in die deutschen Kinos. «No. 2» geht mit vielen Nahaufnahmen in dem Arbeitervorort Mount Roskill der Frage nach, wie sich die Generation von Einwanderern aus Fidschi und ihre Nachfahren in ihrer neuen Heimat fühlen.

In der Reihe «World Cinema» erhielt Frasers sehr persönliche Story beim diesjährigen Sundance Film Festival den Publikumspreis - vermutlich, weil er die Balance hält zwischen glücklichen und traurigen Momenten. Als resolute Oma hält Nanna Maria nicht nur die Familie zusammen, die afroamerikanische Schauspielerin Ruby Dee aus New York lässt auch ihre Zuschauer keine Sekunde los mit ihrer reichen Mimik und Gestik, die sich immer zwischen Mütterlichkeit, Zorn und alterschwacher Zerbrechlichkeit bewegt. Zur letzten großen Feier ihres Lebens will sie Rotwein, eine große Tafel mit weißem Tischtuch und ein Spanferkel.

All dies will organisiert sein, und so kommt es zu Streitereien, einer kleinen Schlägerei unter Neffen, zu einem Unfall und vielen kurzen und doch vielsagenden Dialogen, bis der Familiensinn neu erwacht. Auch Nanna Maria zeigt sich wandlungsfähig – will zuerst keine Außenstehenden zur Feier zulassen und ist dann doch ganz vernarrt in die dänische Freundin Maria (Tuva Novotny) ihres Lieblingsenkels und Lebemanns Tyson (Xavier Horan). Das ganze Spiel, in dem sich jeder Familienmensch wiederfindet, läuft – stets spannungsreich – auf den Moment hinaus, in dem Nanna Maria unter ihren Lieben ihren Nachfolger bestimmt und für eine handfeste Überraschung sorgt.

Ulf Mauder, dpa

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