Kritik: „Paradies, Brooklyn“

Es ist eine multikulturelle Produktion über eine multikulturelle Gesellschaft: Der Montenegriner Bayo (Miki Manjojlovic) und der Spanier Alonso (Tom Conti) haben sich im Schmelztiegel Brooklyn ein kleines Paradies eingerichtet. „Paradies“ heißt die Kneipe, in der Chinesen, Andalusier und Italiener ihr bescheidenes Stück vom amerikanischen Traum erleben. Sie gehört Alonso und seiner blinden Mutter (dargestellt von Maria Casares). Hier hat Bayo, der illegal Eingewanderte, mit seinem Hahn, der lebendigen Erinnerung an seine ländliche Herkunft, einen Unterschlupf gefunden.

Trotz aller Widrigkeiten in ihrem Alltag haben sich die Einwanderer einen gesunden Mutterwitz bewahrt. Sie gewinnen auch traurigeren Ereignissen – wie der beschwerlichen Reise von Bayos Familie in die USA – noch Lebensfreude ab. Allerdings klingen auch düstere Töne an, in den Konflikten mit Bayos allzu cleverem älterem Sohn oder beim Tod des jüngeren.

Die Tragikomödie von Goran Paskaljevic besticht durch ihre lebensprallen Charaktere, ihren unwiderstehlichen Optimismus und ihr liebevolles Porträt einer Gesellschaft, die die Erlaubnis zum ungehemmten Träumen zur Lebensmaxime erhoben hat. eve

Copyright: , 15.3.1996