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Kritik: "One Night Stand" mit Nastassja Kinski

Hamburg (dpa) – In der Begegnung mit einem bis dahin unbekannten Menschen wächst manchmal die Erkenntnis, daß es trotz aller scheinbaren Zufriedenheit etwas gibt, das einem seit langem gefehlt hat. Weder beruflicher Erfolg noch familiäre Geborgenheit schützen vor der Faszination des Augenblicks, die immer mehr Versuchungen bieten kann, als die alltägliche Zufriedenheit. In "One Night Stand" von Mike Figgis tritt diese Versuchung in der Person Nastassja Kinskis auf – kein Wunder also, daß es am Ende doch nicht bei einer einzigen Nacht bleibt.

Nastassja Kinski spielt Karen, die in New York mit Max (Wesley Snipes), dem erfolgreichen Chef einer Werbeagentur auf Geschäftsreise, eine wilde Liebesnacht verbringt. Am nächsten morgen reist Max ab – zu seiner Frau und seinen Kindern. Doch die kurze Affäre geht ihm nicht mehr aus dem Kopf, und er merkt, daß mit seiner Ehe längst nicht mehr alles in Ordnung ist. Als er Karen am Krankenbett eines Freundes zufällig wiedertrifft, setzen die beiden fort, was zunächst nur nach einer Begegnung für eine Nacht ausgesehen hatte.

Mike Figgis hat sich mit "Leaving Las Vegas" einen Namen als unkonventioneller Regisseur emotionsgeladener Themen gemacht. In "One Night Stand" geht er den Weg zurück zum Mainstream-Kino: Zu glatt wirkt die Geschichte vom Manager, der zwischen Hotel und Flughafen seine neue große Liebe kennenlernt. "Ich wollte einen Film machen, bei dem jede Figur sympathisch ist", sagt Figgis, und mit "One Night Stand" ist ihm dies sicherlich gelungen. Max etwa ist nicht nur ein freundlicher und gutaussehender Schwarzer, er kümmert sich auch rührend um seine Familie und seinen Aidskranken Freund Charlie. Doch inmitten all der Nettigkeiten und trotz der schönen Bilder von Kameramann Declan Quinn bleibt am Ende nichts, was "One Night Stand" zu mehr als einem durchschnittlichen Liebesfilm machen würde. Die Auszeichnung von Snipes bei den Filmfestspielen in Venedig als bester Schauspieler war denn auch mit Pfiffen aufgenommen worden.

Nastassja Kinski bleibt – angesichts des Films – zwangsläufig wieder unterhalb der schauspielerischen Höhen, die sie zusammen mit Wim Wenders ("Paris, Texas", "In weiter Ferne, so nah!") oder Roman Polanski ("Tess") einmal erreicht hatte. Auch in "One Night Stand" fasziniert sie an manchen Stellen durch ihr eindrucksvolles Minenspiel, aber die Geschichte läßt ihr nicht genug Raum, sich wirklich zu entfalten. Man sieht Karen zusammen mit Max auf der Leinwand, aber ihre Liebe wirkt unecht. Ähnlich wie eine kurze Affäre kann auch "One Night Stand" nicht mehr als einen flüchtigen Eindruck im Gedächtnis hinterlassen.

Von Peter Zöttl, dpa

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