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    Kritik: Nach Buch und Theaterstück:

    Der naive Stasi-Spitzel Klaus Uhltzscht protzt jetzt auch auf der Leinwand damit, die Berliner Mauer eingerissen zu haben. Der "letzte Flachschwimmer", dessen Lebensgeschichte bereits als Buch und vor allem in ostdeutschen Theatern zum Kult wurde, reiht sich zum 10. Jahrestag des Mauerfalls in die satirische Präsentation der DDR-Wirklichkeit auf Zelluloid ein.

    Thomas Brussigs gleichnamiges Buch war 1994 als großer Wende-Roman gefeiert worden. Der Film startet passend zum Jahrestag am 9. November in den Kinos.

    An die Faszination der literarischen Vorlage und einiger Inszenierungen kommt der Film allerdings nicht heran. Angesichts der sich derzeit häufenden Rückschauen auf die untergegangene DDR ist "Helden wie wir" nur eine Betrachtung der Geschichte aus einem anderen Blickwinkel. Auch die wechselnd in schwarz-weiß und farbig gedrehten Szenen und das eingespielte Originalmaterial von Aufmärschen der Jugend und Werbe-Filmchen retten den Streifen nicht.

    Der 31-jährige Regisseur Sebastian Peterson erzählt satirisch die Story der Familie Uhltzscht und ihres Sohnes, der zunächst wegen seines zu klein geratenen Geschlechtsteils Probleme hat. Schon seine Geburt lässt Böses ahnen: Während die Mutter in den Wehen liegt, beobachtet der auch bei der Stasi tätige Vater die durch das Dorf gen Prag rollenden Panzer. Der kleine Klaus, der streng erzogen und vor allem vom Vater verachtet wird, wächst brav zunächst als Pionier, dann als Mitglied der Freien Deutschen Jugend (FDJ) auf.

    Peterson baute neben den tristen Alltagsszenen auch kleine Gags in die Handlung ein, die den Zuschauer schmunzeln lassen: Als die Lehrerin die Kinder bittet, die politische Karte der Welt zu zeichnen, wie sie im Jahr 2000 aussehen wird, erhalten die Kinder nur rote Stifte. "Die roten sind die guten, die blauen die bösen Staaten", sagt sie und klein Klaus saugt die Ideologie auf. Als er groß ist, möchte er als "Romeo" Karriere machen und den Sekretärinnen westdeutscher Ministerien Staatsgeheimnisse entlocken.

    Natürlich kommen die Stasi-Mitarbeiter und ihre Methoden grobem Dilettantismus gleich und die Begegnung von Klaus und seinem Vater auf dem Flur der Stasi-Zentrale wird zum Schlüsselerlebnis. Der Traum von der Karriere platzt, als Klaus seine Sandkastenliebe Yvonne wiedertrifft und mit schlauen Sprüchen bei einer Flugblattaktion ihrer Dissidentengruppe ebenso Erfolg hat wie bei der Stasi. Beide träumen von einer Reise nach Holland ins Tulpenfeld.

    Eine Spezialbehandlung im Dienst des Systems lässt als Nebeneffekt jenen für "Romeo" unverzichtbaren Körperteil von Klaus zu wahrlich historischer Größe anwachsen. Damit klettert der "Forrest Gump der untergehenden DDR" auf die Mauer, entblößt sich und sprengt damit den Weg in die Freiheit für Millionen. Größenwahn und Naivität haben gesiegt: Im Tulpenfeld in Holland gibt es auch noch ein Happy End des Stasi-Spitzels mit der Dissidentin.

    Hauptdarsteller Daniel Borgwardt, der beim Casting an der Schauspielschule Rostock ausgewählt wurde, scheint in einigen Szenen mit der Rolle überfordert zu sein. Gelungen dagegen zeichnen der Berliner Schauspieler Udo Kroschwald (Vater) und seine Kollegin Kirsten Block (Mutter) ein ironisches Bild eines strengen, spießigen Ehepaares, das voller Überzeugung in der DDR lebt und entsprechende Ansprüche an den Sohn stellt. In einer kleinen Nebenrolle ist der aus Jugoslawien stammende, in der DDR als Indianerhäuptling bekannt gewordene Mime Gojko Mitic zu sehen.

    Der Berliner Volkmar Kleinert ("Der Clown") spielt überzeugend und mit einer gewissen Arroganz den Stasi-Major Wunderlich, der Klaus in die Geheimnisse der Agentenarbeit einführt. Der wie ein Streifen aus den alten DEFA-Studios anmutende Film zeigt neben der subjektiven Story auch, wie ein Leben in der DDR von der Wiege bis zur Bahre aussah. In dem Sinne ist "Helden wie wir" eine gelungene Ergänzung zu Leander Haußmanns "Sonnenallee".

    Simona Block, dpa

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