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Kritik: Mit Zugeständnissen an die Gegenwart

Joe ist ein liebenswerter und zärtlicher Gorilla mit treuen Augen. Nur eines unterscheidet ihn von seinen Artgenossen: Wegen eines mutierten Gens ist er mächtige fünf Meter groß und 1.000 Pfund schwer.

Die Verfrachtung der tierischen Sensation aus dem afrikanischen Urwald in die amerikanische Zivilisation endet natürlich in einer Katastrophe. Vor 50 Jahren trampelte "Mighty Joe Young" schon einmal über die Kinoleinwand, jetzt hat der Regisseur Ron Underwood die Riesenaffen-Saga neu aufgelegt. Dabei hielt er sich weitgehend an die Originalhandlung, machte aber notwendige Zugeständnisse an die Gegenwart.

In der Neufassung wachsen der Affe Joe und das Mädchen Jill (Charlize Theron) zusammen in der Wildnis auf, nachdem sie von brutalen Wilderern zu Waisenkindern gemacht wurden. Jill verspricht ihrer Mutter, einer Tierschützerin (Linda Purl), am Sterbebett, sich um das Riesengorilla-Baby zu kümmern. Nach Jahren des heiteren Versteckspiels zwischen Bananenstauden wird die Aufgabe zunehmend schwierig: Die Tierfänger werden immer aggressiver, und Joe ist so groß, daß ihn auch der dichteste Dschungel kaum noch verbirgt.

Ein amerikanischer Zoologe (Bill Paxton) eilt zur Hilfe und verspricht den beiden ein sicheres Asyl im fernen Kalifornien. Doch die Verfolger bleiben dem wertvollen Riesenaffen auch dort auf den Fersen. Das Spiel endet in einer spektakulären Jagd, vorbei an den Wahrzeichen von Los Angeles. Wenn King Kong auf dem Empire State Building herumkletterte, nimmt Joe mit dem berühmten Hollywood- Zeichen vorlieb.

Die Newcomerin Charlize Theron ist nach kleineren Auftritten unter anderem in Woody Allens "Celebrity" in "Mein großer Freund Joe" – so der deutsche Titel – in ihrer ersten Hauptrolle zu sehen. Während der Dreharbeiten auf Hawai in matschigen Bergen herumzuklettern, war kein Problem für sie, erzählt die Südafrikanerin. "Das war das erste Mal, daß ich eine Rolle in einem Film spielen wollte, weil sie mich so sehr an mein eigenes Leben erinnert hat", erklärt das ehemalige Fotomodell. Ihre tiefe Verbundenheit mit Tieren entwickelte sie in ihrer Kindheit, die sie auf einer Farm im südafrikanschen Busch verbrachte. Vierbeiner mußten damals als Spielkameraden herhalten.

Technisch gesehen ist der Film ein Meisterwerk. Der Gorilla wurde mit modernsten Spezialeffekten zum Leben erweckt. Das Ergebnis ist beeindruckend: Wenn das Computergeschöpf mit großen Kulleraugen seine Beschützer um Hilfe anfleht, dann wirkt es so echt wie die Affen im Zoo. Von ein paar grausamen Jagdszenen abgesehen, ist der Film eine genauso nachdenklich stimmende wie unterhaltsame Familiengeschichte.

Anna-Barbara Tietz, dpa

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