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Kritik: Milos Formans "Larry Flynt – Die nackte Wahrheit" – furiose Courtney Love

Frankfurt/M (AP) Wenn nach langer Pause Oscar-Gewinner Milos Forman einen Film präsentiert, dann ist ihm Denn von dem in Hollywood erfolgreichen gebürtigen Tschechen wird stets ganz Besonderes erwartet. Und Forman hat mit "Larry Flynt – Die nackte Wahrheit" diese Erwartungen keineswegs enttäuscht.

Der Film zeigt den gerade 65 Jahre alt gewordenen Regisseur in unverändert guter Form, er präsentiert dazu mit der Rocksängerin Courtney Love eine furios spielende Kino-Debütantin. Doch "Larry Flynt" leidet daran, daß ein Porno-Millionär einfach ein lausiger Kinoheld ist.

Natürlich ist dieser Larry Flynt, dessen Geschichte der Film erzählt, eine Figur, wie sie kein Drehbuchschreiber so leicht am Schreibtisch zu erfinden vermag: Von der verkrachten Existenz zum Multimillionär, vom Mädchenaufreißer zum Pornoverleger, vom Haßobjekt zum Rollstuhlmärtyrer – das ist auch im "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" eine mehr als ungewöhnliche Karriere. Der reale Flynt, heute 53 Jahre alt und seit einem Attentat vom Unterleib an gelähmt, tritt in dem Film selbst auf, ironischerweise in der Rolle eines Richters, der die Titelfigur zu 25 Jahren Gefängnis wegen der Verbreitung von Obszönitäten verknackt.

Woody Harrelson, der Flynt-Darsteller im Film, sieht in dieser Szene blaß aus neben dem schwergewichtigen, von einem zerstörerischen Leben gezeichneten Original. Ansonsten schlägt sich der sensible Harrelson passabel in der schwierigen Rolle des Porno-Tycoons, der in seinem Leben noch nicht einmal die Grundschule hinter sich gebrachte hat. Aber Harrelson steht darstellerisch im Schatten von Courtney Love, die Flynts attraktive, an Aids erkrankte und im Badebecken ertrunkene Frau Althea mit verblüffender Glaubwürdigkeit spielt.

Was die Witwe des von eigener Hand gerichteten Rockidols Kurt Cobain zeigt, ist das Porträt einer Frau, die wie geschaffen war für den sexbesessenen Flynt: hemmungslos und geschäftstüchtig. Courtney Love, selbst skandalumwittert, mußte für diese Rolle von Produzent Oliver Stone und Regisseur Forman gegen einige Widerstände durchgesetzt werden.

Stone ist überzeugt, daß sich das gelohnt hat: "Ich war überrascht, eine sehr verantwortungsvolle Persönlichkeit zu entdecken. Sie mag verrückt sein, wie es alle Künstler sind. Sie mag exzentrisch sein, aber sie ist verantwortungsbewußt." Und die groß auftrumpfende Courtney Love erinnert sich genau, was ihr Forman anvertraute: "Dich habe ich genommen, weil du nicht schauspielerst."

Der Unterschied zwischen Harrelson und Love ist einfach zu benennen: Der eine spielt Flynt, die andere aber ist jene tragisch geendete Althea. Daß diese Leistung mit einer Oscar-Nominierung belohnt wurde, ist verdient. Doch Formans Film wird vom amerikanischen Publikum weitgehend ignoriert: Nach sechs Wochen Laufzeit hat "Larry Flynt" noch keine 20 Millionen Dollar eingespielt.

Auch in Deutschland dürfte der interessante Streifen kein Renner werden. Dazu ist die Titelfigur und Problematik zu weit entfernt vom hiesigen Publikum. Was aber schwerer wiegt, ist die fragwürdige Persönlichkeit des "Helden": Pornoverleger eignen sich einfach nicht dafür. Bewunderswert allerdings, daß sich Forman trotzdem nicht davon abbringen ließ, einen Mann zu zeichnen, an dem sich die Geister und Geschmäcker scheiden. Der einstige Tscheche bleibt für Überraschungen gut.

Von AP-Korrespondent Hans Anders

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