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Kritik: "Mein Mann" von Bertrand Blier

Hamburg (dpa) – Eine Frau, ein Mann, ein Verwirrspiel sexueller Spielarten und Klischees: Die schöne Marie (Anouk Grinberg) ist Prostituierte aus Leidenschaft. "Ich liebe Geld, ich liebe Männer, ich liebe es, Träume zu verkaufen", versichert sie ihren Kunden, die jung oder alt, reich oder arm, Maries Verführungskünsten erliegen.

Ob das eine Männerphantasie oder eine ironische Überhöhung derselben ist, läßt Bertrand Blier in seinem neuen Film "Mein Mann" (Kinostart: 20. Juni) offen.

Einmal mehr fand der französische Regiestar sein provokantes Thema in den menschlichen Trieben und Begierden. Als Marie den Stadtstreicher Jeannot (Gerad Lanvin) kennenlernt, bittet sie ihn, mit ihr zu schlafen und erst danach ein Bad zu nehmen. Sie hat ihren Traummann gefunden, der schnell zu ihrem Zuhälter wird, mit Rolexuhr und schlechten Manieren. Doch die Idylle währt nicht lange. Jeannot langweilt sich und fängt schon bald ein Verhältnis mit der schüchternen Kosmetikerin Sanguine (Valerie Bruni-Tedeschi) an. Als sein Seitensprung auffliegt, verläßt ihn Marie.

Mit seinen Schauspielern, die gekonnt die Waage zwischen Parodie und Ernst halten, traf Blier eine sichere Wahl. Anouk Grinberg wurde für ihre Leistung auf der diesjährigen Berlinale prompt mit dem "Silbernen Bären" als beste weibliche Hauptdarstellerin ausgezeichnet und gab bei der Gelegenheit zu Protokoll, daß sie den Film nicht frauenfeindlich finden könne. Zwar sind Frauen in "Mein Mann" wenig mehr als Projektionen männlicher Träume, doch sind viele dieser Träume karikiert und überzeichnet.

Das Ende des Films läßt allerdings Zweifel an Bliers parodistischer Absicht aufkommen: Nach der Trennung von Jeannot angelt sich Marie einen neuen "Traumtypen", findet bürgerliches Glück als Ehefrau und zweifache Mutter und erfüllt die Erwartungen an ihre neue Frauenrolle mit ebensoviel Hingabe wie sie es als Hure tat. Die Kleinfamilie als wahre Sehnsucht jeder noch so kapriziösen Frau: Bliers Tragikomödie, provokant gemeint und leichthändig inszeniert, scheitert im letzten Drittel leider an der allzu konservativen Phantasie des Regisseurs.

Von Katharina Reismann, dpa

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