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Kritik: Lust und Frust in der Metropole

Ein realitätsnahes, liebevolles und lebensbejahendes Bild von London und seinen Menschen zeichnet der neue Film von Michael Winterbottom. "Wonderland" läuft kommenden Donnerstag in unseren Kinos an und ist ein für den Regisseur untypischer Film.

Bislang inszenierte Winterbottom eher problembeladene Werke wie "Herzen in Aufruhr" und "Welcome to Sarajevo". In "Wonderland" fängt der Brite einen Ausschnitt großstädtischen Alltags in all seiner Banalität ein – und vermittelt dem Zuschauer dennoch das tröstliche Gefühl, dass das Leben wunderbar ist.

Patchworkartig stellt Michael Winterbottom Szenen aus vier Tagen zusammen. Sie beschreiben die zwischenmenschlichen Beziehungen von drei Schwestern und ihren Eltern in der pulsierenden Metropole London. Statt eng verwobener Familienbande dominieren Individualität und das Konfliktpotenzial zwischen den Hauptpersonen. Gemeinsam ist ihnen die Suche nach ein wenig Glück. Nadia (Gina McKee) will nicht länger Single sein. Konsequent vereinbart sie ein Blind Date nach dem anderen. Oft geht die Kellnerin dazu mit dem Mobiltelefon vor die Tür des Coffee Shops - und übersieht völlig die schmachtenden Blicke eines Gastes (David Fahm).

Die meisten Verabredungen enden ernüchternd: Vom Langweiler über den Schürzenjäger bis zu Ex-Schwager Dan (Ian Hart) ist alles dabei - nur nicht das, worauf sie hofft. Ihre Schwester Debbie (Shirley Henderson) erfährt einmal mehr, wie verantwortungslos ihr früherer Mann Dan ist. Anstatt das Wochenende mit seinem Sohn Jack auszukosten, verdrückt er sich und nimmt ein paar Drinks. Der elf- jährige ist währenddessen sich selbst überlassen und endet auf der Polizeiwache. Seine besorgte Mutter ist sofort zur Stelle und macht Versager Dan schlimme Vorwürfe. Allerdings liegt auch bei Debbie einiges im Argen. Die frustrierte Friseuse sucht nach einem Sinn in ihrem Leben. Die dritte Schwester Molly (Molly Parker) dagegen freut sich gerade auf ihr erstes Kind – bis der werdende Vater plötzlich von der Bildfläche verschwindet.

Das Großstadt-Drama mit den wenigen Glücksmomenten und vielen mittleren persönlichen Katastrophen nimmt den Zuschauer zunehmend gefangen. Die hier zu Lande fast unbekannten Darsteller spielen hervorragend, und die gut eingearbeiteten Handkamera-Aufnahmen unterstützen die glaubwürdige Atmosphäre. Leider lässt der Regisseur die straffende Hand vermissen. Trotzdem springt der Funke Hoffnung, der den Protagonisten auf der Leinwand eigen ist, über und macht es sinnfällig, dass Mollys Kind Alice heißen wird. Alice * hineingeboren ins Wunderland.

Silke Weiss, dpa

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