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Kritik: "Looking for Richard" – Al Pacinos gelungene Annäherung an Shakespeare

Frankfurt/M (AP) Man kann "Looking for Richard" auf verschiedene Weise sehen: Als Versuch, Shakespeare einem breiten Publikum zugänglich zu machen, als amerikanische Annäherung an einen britischen Autor oder als großangelegte Selbstinszenierung des Schauspielers Al Pacino. Der Film hat von alledem etwas – vor allem aber ist er eins: Ein gelungenes Experiment, das eindrucksvoll belegt, daß Shakespeares Stücke heute noch so aktuell sind wie vor 400 Jahren.

Für seine unorthodoxe Shakespeare-Betrachtung hat Pacino das meistgespielte, aber auch eines der kompliziertesten Stücke des Dramatikers gewählt – Richard III. In der berechtigten Annahme, daß den meisten Menschen dazu nicht viel mehr einfällt als das Zitat: "Ein Pferd, mein Königreich für ein Pferd", hat er in seinem zweiten Regiewerk Interviews, Aufführungsszenen, Äußerungen von Passanten und Diskussionen unter Schauspielerkollegen zu einer bunten Collage zusammengeschnitten, die ein Ziel hat: Shakespeare verständlich zu machen und ihn von seinem Status als verstaubten Klassiker zu befreien.

Im Mittelpunkt des Films stehen die Proben von Szenen aus dem Stück, für die Pacino ein amerikanisches Staraufgebot um sich versammelt hat: Alec Baldwin als Clarence, Kevin Spacey in der Rolle des verschlagenen Buckingham und eine leicht überforderte Winona Ryder als Lady Anne. Jede Szene wird von den Darstellern ausgiebig besprochen und in verschiedenen Interprationen geprobt - in den Häuserschluchten New Yorks ebenso wie in baufälligen englischen Landsitzen.

Zudem befragt Pacino britische Shakespeare-Experten wie Kenneth Branagh, Peter Brook oder Sir John Gielgud, die den Amerikanern das Wesen Shakespeares erklären sollen, und er läßt sich von Historikern die historischen Zusammenhänge erläutern. Nicht alle Äußerungen sind hilfreich – die englische Schauspielerin Vanessa Redgrave etwa beteuert, beim Versmaß des Stückes handele es sich um einen "Pentameter der Seele". Aber aus dem Puzzle der verschiedenen Proben, Gespräche, Diskussionen und entsteht ganz allmählich langsam ein faszinierendes und erhellendes Porträt des Stücks.

Pacino geht es bei alldem nicht um eine besonders tiefe oder originelle Neuauslegung des Klassikers – er will zeigen, warum wir Shakespeare wie einen zeitgenössischen Autor lesen können. Nichts untermauert diesen Anspruch überzeugender als sein eigene Darstellung des Richard. Der nämlich ähnelt plötzlich auf verblüffende Weise dem Mafia-Boß-Michael Corleone, den Pacino vor mehr als 20 Jahren gespielt hat. Am Ende, so lehrt uns der Film, wird der Mensch doch immer von den gleichen Gefühlen getrieben, von Haß, Gier, Leidenschaft oder dem Willen zur Macht.

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