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Kritik: Listiger Thriller mit Tim Roth

Tim Roth ist zwar kein Star, aber er ist ein Meister seines Fachs. Genau der richtige Darsteller, um in einem listigen Thriller wie "Scharfe Täuschung" als Anti-Held zu brillieren. Der amerikanische Independent-Film ist vom 6. August an in unseren Kinos zu sehen.

Im schäbigen Verhör-Zimmer eines Polizeireviers in South Carolina soll ein Lügendetektor Aufschluß darüber geben, ob John Walter Wayland (Roth) die Prostituierte Elizabeth (Renee Zellweger) ermordet hat. Wayland kommt aus priviligierten sozialen Verhältnissen. Der hochintelligente Princeton-Absolvent lebt auf Kosten seines reichen Vaters. Den daraus resultierenden familiären Spannungen und seiner eigenen Verbitterung entflieht Wayland durch Alkohol- und Drogenexzesse.

In langwierigen Befragungen stellt sich heraus, daß der psychologisch und physisch instabile Wayland zu Gedächtnislücken und epileptischen Anfällen neigt. Rückblenden in seine bruchstückhafte Erinnerung scheinen zu bestätigen, daß er der Täter ist. Alles sieht nach einem einfachen Job für die beiden Cops Braxton (Chris Penn) und Kennesaw (Michael Rooker) aus.

Doch sie haben Wayland unterschätzt – er wird sich als virtuoser Jongleur mit Wahrheit und Lüge erweisen. Keiner der Beteiligten ist so, wie der erste Anschein vermuten läßt. Wayland weiß um die dunklen Ecken im Privatleben der Polizisten. Mit der Macht dieses Wissens manipuliert und taktiert er so geschickt, daß sich am Ende Detective Kennesaw an den Detektor anschließen läßt. Tim Roth spielt diese Rolle im wahren Sinne des Wortes beängstigend gut. So paradox wie die Story ist dabei: Je unheimlicher Roth sich benimmt, desto mehr Sympathie für seine Figur erweckt er im Zuschauer.

Die düsteren Sets von Art Director John Kretschmer und die stilsichere und unkonventionelle Kameraarbeit von Bill Butler ("Der weiße Hai") schaffen den perfekten atmosphärischen Hintergrund für das ausgefeilte Katz-und-Maus-Spiel, das von den Zwillingsbrüdern Jonas und Joshua Pate ersonnen und in Szene gesetzt wurde.

Der schummrige Thriller mit der labyrinthischen Story ist ein cleveres Kabinettstückchen mit hochinteressanten Finessen. Allerdings ist "Scharfe Täuschung" nur für Kinoliebhaber empfehlenswert, die am Schluß nicht für jedes Detail eine Erklärung erwarten. Wer Geschmack daran findet, auf falsche Fährten geführt und mit plötzlichen Sackgassen ein wenig aus der Balance gebracht zu werden, darf sich auf einen inspirierenden Kinobesuch freuen.

Silvia Seipel, dpa

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