Kritik: Lady mit Landkommune

Das Land ist flach, die Sprache platt, die Dorfbewohner sehen aus wie mit van Goghs grobem Strich gemalt. Das ist „Antonias Welt“: schwer wie ein alter Gouda, solide wie ein holländischer Holzschuh. Doch schon bald entschwebt die Oscar-prämierte Frauenfabel ins leichte Gefilde des Märchens.

Antonia kehrt nach dem Zweiten Weltkrieg in ihr Dorf zurück und schafft dort ein Heim für ihre Tochter, Enkelin, Urenkelin und andere freiheitsliebende Frauen. Auch friedliche Männer duldet sie auf dem Hof, zwecks Fortpflanzung. So gedeiht eine gebärfreudige Kommune, ein ländliches Bollwerk des Feminismus. Alles wäre eitel Sonnenschein, gäbe es nicht den männlichen Feind: den Vergewaltiger und Militaristen. Das klingt nach Frauenpower pur. Doch gerade Randfiguren wie der Provinzphilosoph oder der Dorfdepp verleihen dem Film seine Magie.

Copyright: TV TODAY, 1996