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Kritik: König, King Kong Citizen Dick

Das große Problem von Oliver Stones neuem Film "Nixon" ist sein Natürlich handelt er ausschließlich von dem früheren US-Präsidenten, doch damit fordert er auch genaueste Untersuchungen heraus, welche Details stimmen und welche nicht. Auch Orson Welles' "Citizen Kane" erinnerte einst jedermann sofort an den Zeitungszaren Hearst, doch der Namenswechsel machte aus einer faktischen Biographie eine fiktive. Hätte Oliver Stone sein Porträt eines engstirnigen, machtbesessenen Präsidenten "Citizen Dick" genannt, wollte er mit dem Charakter Nixons nicht gleichzeitig US-Geschichte durchleuchten, stünden wir vor einem großen Film. Er hätte den Anspruch fallenlassen sollen, Geschichte so darzustellen, wie sie war. Dann müßte Stone sich nicht vorwerfen lassen, daß sie nachweisbar in mehreren Punkten nicht so war, vom rauchenden Nixon bis zu Details von Watergate.

Dann könnte man sich ganz auf die Geschichte eines Monsters konzentrieren, so häßlich-mitleiderregend wie der Glöckner von Notre-Dame, so macchiavellistisch-verschlagen wie Richard III., so sehr um Liebe buhlend wie King Kong. Nur daß diese Bestie sich 30 Jahre lang auf dem politischen Parkett in Washington bewegte, acht Jahre Vizepräsident und sechs Jahre Präsident der größten Weltmacht war.

Stones "Nixon" kann nicht als Quelle benutzt werden, um Zeitgeschichte zu verstehen (obwohl das unter Garantie passieren wird). Dieser "Nixon" ist das Psychogramm eines Mannes, dem die Macht und die Liebe der Öffentlichkeit alles bedeuteten, der darum hart kämpfte und der beides verlor – weil er unfähig war, seinen Panzer zu öffnen und überall nur Verrat witterte. Auf dieser Ebene funktioniert Stones Film grandios, dank seiner raffinierten Montagetechnik und dank des unvergleichlichen Anthony Hopkins. Sein Hannibal Lecter im "Schweigen der Lämmer" war schon eine schauspielerische Tour de force. Doch als "Nixon" schafft er es in Minuten, das Bild des historischen Nixon in unserem Gedächtnis auszulöschen und komplett durch sein Abbild zu ersetzen: Arme vor der Brust verschränkt, unstete Augen, auf halbem Wege hängengebliebenes Lächeln.

Copyright: DIE WELT, 22.2.1996

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Nach dem Martinszug ziehen die Laternenkinder mit ihren Eltern nochmal los. Sie klingeln an Haustüren, singen Martinslieder und bekommen dafür Mandarinen, Nüsse oder Süßigkeiten. Dieser Brauch heißt je nach Region Schnörzen, Dotzen oder Gribschen. Aber gibt es diese Tradition überhaupt noch?

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