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Kritik: Klebrig-süße Liebe im Herbst

Späte Rache der Softie-, Müsli- und Selbsterfahrungsfraktion

Als Samariterin Sara, eine Chaotin im Blümchenkleid, auf den toughen Nelson trifft, wirken ihre Bemühungen zuerst wie hysterische Anmache. Was in der Realität als Belästigung gelten würde, lässt sich der karrieresüchtige Workaholic widerstrebend gefallen – denn Sarah ist zwar strubbelig, aber hübsch. Und selbst als Nelson herausbekommt, dass Sara ihre gestressten Yuppie-Liebhaber nach dem Kalender einlädt, sucht er nicht das Weite. Er will ihr "November"-Patient sein, denn er hat sowieso nichts Besseres zu tun: Gerade wurde er entlassen, seine Freundin hat ihm auch den Laufpass gegeben.

Wetten, dass es nicht bei einem Monat kuschligen Zusammenwohnens bleibt? Wetten, dass der "One-Month-Stand" in die große Liebe mündet und Nelson das wahre Leben im Falschen erkennt? Das Remake eines Melodrams aus dem Jahre 1968 ist noch schmalziger ausgefallen als das Original. War der Film aus den rebellischen Spätsechzigern eventuell noch als zeitgeistiges Plädoyer für freie Liebe und für ein erfüllteres Dasein genießbar, so versucht das Remake vergeblich, einen Zipfel Hippietum zu erhaschen und tritt dabei in jedes Klischee-Fettnäpfchen.

Keanu Reeves, ein anerkannter Nicht-Schauspieler, sieht ziemlich toll aus. Dasselbe lässt sich über seine Partnerin Charlize Theron sagen, die sogar in formlos Selbstgestricktem und Gesundheitssandalen eine gute Figur macht. Die Aussagen dieses Melodrams erschöpfen sich in Äußerlichkeiten: Er hat zackige Designermöbel, sie haust in einer bunten Bohemien-Wohnung. Er ist der archetypische Werbeagentur-Schnösel mit Handy, Mercedes und Ellenbogen bis zur Schulter, wie man ihn aus Hollywood-Filmen halt so kennt.

Dieses egozentrische Ekel muss zur Menschlichkeit bekehrt werden - von Sara, ganz weibliche Intuition, impulsiv und stets gut drauf, eine so künstliche Lebenskünstlerin, dass man Charlize Theron die Rolle keine Sekunde lang abnimmt. Sara, die als erwachsene Frau eine penetrante "Hasch-mich-ich-bin-der-Frühling" Nummer gibt, hätte man in der Realität längst zum Psychiater geschickt.

Wovon lebt diese Frau, die sich als verspätetes Blumenkind geriert, und wer bezahlt nur die entzückende Wohnung im schönster Altbau-Lage in San Francisco? Sie führt Hunde aus! Auch was sie von Nelson will, wird nicht klar: mit einem Monat Schnelltherapie verhindern, dass er George Bush wählt? Und warum ist sie so blass? All das ist zwar rätselhaft, interessiert aber eigentlich nicht besonders, und irgendwie hat man die Auflösung a la "Love Story" auch schon geahnt. Zäh windet sich die Handlung ihrem tränen- und moralreichen Ende entgegen, nur unzureichend wird die Zeit bis dahin mit Stadtansichten von San Francisco gefüllt und mit dem obligatorischen schwulen Freund als Toleranzbeweis.

Nicht süß, geradezu klebrig ist dieser November-Schmu, eine späte Rache der Softie-, Müsli- und Selbsterfahrungsfraktion an Hollywoods Machofilmkultur. Aber selbst Keanu Reeves hat eine Rolle als Schmalspursoftie nicht verdient.

Birgit Roschy, AP

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