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Kritik: Kino: "Trainspotting" von Danny Boyle

Die Typen sind dumpf. Harte, picklige Gesichter. Die Sprache der Dialekt von Leith, einem Vorort von Edinburgh – zerfleddert in Fetzen. Die Trips machen nicht high, sondern dröge: Heroin taugt nicht für Höhenflüge. Die Wohnungen sind das letzte.

Mark Renton, Sick Boy, Spud und ihre Kumpels sind loser: Psychopathen, Gelegenheitsdiebe, Junkies.

Sie fälschen Morphium- und Methadonrezepte, klauen sich im Altersheim den nächsten Schuß zusammen, spritzen pakistanisches Äitsch oder kolumbianischen Braunen, saufen, vögeln, dröhnen sich zu und verraten ohne Not den besten Freund. Begbie steht auf Schlägereien, Tommy auf Heimpornos, Renton auf Haß gegen alle Normalos. Sie gehören zum white trash: Totalverweigerer, die mit Nachdruck nein sagen zum Leben.

Gelegentlich versucht Rentboy einen Entzug. Kauft sich Dosenfraß und Paracetamol, stellt drei Eimer neben sein Bett, für Urin, Kot und Erbrochenes, und verpaßt sich zum Trost zwei Opiumzäpfchen. Als er die Zäpfchen durchfallbedingt wieder verliert, steigt er – auf dem "widerlichsten Abort Schottlands" – ins Klo und taucht ab in ein schimmeliges Unterwasserparadies. Die Szene dreht einem den Magen um, aber Renton hat fun.

ist ein merkwürdiger Film. Er zeigt die Junkies nicht als Opfer, aber sympathisiert auch nicht mit ihnen. Er setzt auf die Innenansicht einer Alptraumexistenz, nicht jedoch auf Identifikation, auf den Trip für den Zuschauer. Er kommt so indifferent, roh und kaputt daher wie seine Protagonisten. Er stilisiert den Ekel zur no-future-Komödie. Renton, Sick Boy und die anderen amüsieren sich, der Zuschauer nicht. Aber er bekommt eine Ahnung davon, warum jemand auf Heroin steht.

Trainspotter, das sind Leute, die in ihrer Freizeit Zugnummern notieren. Ein garantiert sinnloses Hobby. "Trainspotting" markiert die Obsession der neunziger Jahre: "Aids Drugs Rock 'n' Roll" (Presseinformation), das Ende aller schönen Aussichten.

Den Tod nimmt man in Kauf, Iggy Pop und Lou Reed liefern den Punk dazu, und die Filmemacher Danny Boyle, Andrew MacDonald und John Hodge ("Kleine Morde unter Freunden") nennen sich selbst eine Popgruppe. Was den Verdacht nahelegt, daß es sich bei ihrem zweiten Gemeinschaftswerk weniger um Kino als um ein Stück TripHop handelt: um den Zelluloidclip zum Soundtrack.

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