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Hamburg

Kritik: "Kids":

dpa

Mit einem endlos langen, feucht-schmatzenden, saugenden Zungenkuß fängt alles an: Terry, ein niedlich wirkender Bursche, macht sich an ein jungfräuliches Mädchen ran. Er schläft mit ihr wie zuvor und danach noch mit vielen anderen – schnell, etwas roh und unpersönlich. Was niemand weiß: Terry ist ein Girlie-Killer im wahrsten Sinne des Wortes. Er hat Aids. Der New Yorker Regisseur Larry Clark stellt ihn ins Zentrum seines Films "Kids", einer provozierend ausweglosen und fast dokumentarisch wirkenden Geschichte über Großstadt-Teenager, Sex und Drogen.

Überall, wo "Kids" bisher zu sehen war, hat der Film vor allem eines geleistet: Niemand blieb teilnahmslos angesichts der jungen, oft noch kindlichen Laiendarsteller, die bravourös und authentisch ihr eigenes Leben zu spielen scheinen. Die "Kids" sind süchtig nach Spaß und Sex, sie kiffen, rauchen und saufen, was das Zeug hält. Erwachsene tauchen in ihrer Welt nur als Gewaltopfer oder Krankenschwester auf, die die tödliche Aids-Diagnose überbringt.

"Ich will die ganz reale Welt von Kindern zeigen, wenn sie unter sich sind, und zu der ein Erwachsener keinen Zugang hat", sagt Clark. Und so folgt er Terry, der von Aids und Kondomen nichts wissen will, einen Tag und eine Nacht lang durch die Stadt. Dabei verfolgt er auch die Odyssee von Jenny, einem Mädchen, das Terry gleich beim "ersten Mal" angesteckt hat. Sie will ihren "Todesengel" zur Rede stellen, doch als sie ihn findet, liegt er schon mit ihrer Freundin im Bett, mitten im Chaos nach einer wüsten Party. Jenny wendet sich wortlos ab. Sie weiß, ihre eigene Zukunft und die ihrer Clique ist eigentlich schon vorbei.

Trotz dieser schicksalhaften Konstellation wird "Kids" nie melodramatisch, nie pädogogisch ernst. Der 52jährige Clark, selbst drogenerfahren und als Fotograf vor allem mit Aufnahmen aus der Jugendszene bekannt, wertet nicht, bietet keinen Ausweg an. Er setzt keinen erhobenen Moral-Zeigefinder gegen die gedanken- und gewissenlose Dauerparty, die eigentlich ein Totentanz ist.

Vorwürfe, er habe einen oberflächlichen "Kinderporno" gedreht, kann er nicht nachvollziehen. Erstens seien viele Szenen zwar sexuell freizügig, aber nicht pornographisch. Und zweitens zählt für ihn die Realität: "Fast 80 Prozent aller Teenager in Amerika haben Erfahrungen mit Sex, die Hälfte tut es ungeschützt", meint Clark. Die Erwachsenen hätten Schwierigkeiten, dies zu begreifen. "Die Leute wollen einfach nicht die Tatsache wahrnehmen, daß Teenager Sex haben, Haschisch rauchen und Bier trinken."

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