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Kritik: Kein zweites «Buena Vista» trotz WendersHilfe

Kuba ist in Mode: Die Zeitschriften sind voll von Szenetipps, Reiseveranstalter überbieten sich mit Angeboten. Kein Wunder, dass fünf Jahre nach dem Überraschungserfolg von Wim Wenders' «Buena Vista Social Club» über die alten Männer des Havanna- Jazz es jetzt auch Zeit für einen neuen Kuba-Musikfilm wurde.

Er heißt «Musica Cubana», soll diesmal junge kubanische Musiker vorstellen und auch Wenders ist als ausführender Produzent mit im Boot. Der magnetische Charme des Originals will aber nicht so recht aufkommen.

Der Film gerät zu einer Abfolge von Konzertauftritten, versetzt mit kurzen Künstlerinterviews. Zusammenhalten soll ihn die Geschichte von einem Taxifahrer, der eine Band aus den «besten jungen Musikern Kubas» bilden will. Dabei sucht er Hilfe bei einem der «Buena-Vista»- Veteranen, dem fast 90-Jährigen Pio Leiva. Als eine Art Pausenclowns sorgen die beiden für eine Verbindung zwischen den einzelnen Nummern. Am Ende steht ein triumphales Konzert der versammelten Truppe in Tokio.

Ihm habe gefallen, dass der Film als «Schaufenster für junge kubanische Künstler» gedacht gewesen sei, sagt Wenders. Schon bei den Dreharbeiten zu «Buena Vista Social Club» sei er mit Demo-Aufnahmen überhäuft worden und habe seitdem einen Film auch über junge Musiker machen wollen. Da aber ein vierter Musikfilm in wenigen Jahren zu viel gewesen wäre, habe er den Regiestuhl seinem Schüler German Kral überlassen und sich als Pate verstanden, der mit Rat und Tat zur Seite steht. Zum Beispiel habe er die Drehbücher gelesen und sich die ersten Schnittfassungen angesehen. Das letzte Wort habe er aber dem jungen Regisseur selbst überlassen, betont Wenders.

Sollte der Meisterregisseur aber tatsächlich geglaubt haben, mit dieser «Ämtertrennung» davonkommen zu können, war das recht naiv. Die Wirkung seines Namens war so groß, dass seine Beteiligung immer wieder auf eine einfache Formel reduziert wurde: «Wim Wenders hat wieder einen Kuba-Musikfilm gemacht.» Und zwar so häufig, dass sich der Regisseur schon zwei Monate vor Kinostart zu einer Klarstellung gezwungen sah.

Es gibt hunderte junge Bands allein in Havanna, die für Kleingeld in Lokalen und auf den Straßen spielen. In den Film kamen aber fast ausschließlich bereits bekannte Musiker, «junge kubanische Stars», wie Musikproduzent Detlef Engelhardt sagt. Sein Termidor Musikverlag hat die meisten Musiker aus Film und Soundtrack unter Vertrag. Engelhardt hat sich vor rund 20 Jahren in einem großen Geschäft mit dem kubanischen Kulturministerium die Rechte auf 30 000 Songs gesichert. Schon im «Buena Vista Social Club», dessen Soundtrack sich mehr als zehn Millionen Mal verkaufte, kamen sieben Titel aus seiner Schatztruhe. Sein Versuch, mit «Musica Cubana» auf der Kuba-Welle zu reiten, läuft bislang jedoch nicht nach Plan. Die erste Single aus dem Film, das Lied «Chiki Chaka» des Duos Chiki Chaka Girls, das es eigentlich als Sommerhit in die Top Ten schaffen sollte, ging im Frühsommer unter.

Während Millionen Kubaner in Armut leben und dem Überwachungsapparat eines bröckelnden kommunistischen Regimes ausgesetzt sind, zeichnet der Film ein heiles, nahezu idyllisches Bild von Havanna. Keine leeren Läden, keine Ruinen, keine politische Unterdrückung und selbst eine Reise nach Tokio ist für die sonst nicht von Reisefreiheit gesegneten Kubaner kein Problem. «Hätten wir den Film politischer gemacht, hätten wir den Künstlern das Leben erschwert», gibt Wenders zu bedenken.

Vier Millionen Euro kostete «Musica Cubana» am Ende. Bei «Buena Vista» sei er mit weniger als der Hälfte ausgekommen, räumt Wenders ein. Für das Geld gibt es professionelle Bilder und einen feinen Sound – aber die Authentizität, die wahre Stimmung der Straße geht mit den arrivierten Künstlern verloren. Dass es auch anders geht, zeigte ein Paar Monate zuvor ein anderer deutscher Kuba-Musikfilm, «Paraiso», der eine Band aus der Provinzstadt Guantanamo durch den Alltag begleitet.

dpa

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