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    Kritik: Kaurismäki und die Einsamkeit

    Mit «Lichter der Großstadt» schließt der finnische Filmemacher Aki Kaurismäki seine Trilogie über Menschen im sozialen Nach Arbeitslosigkeit («Wolken ziehen vorüber») und Obdachlosigkeit («Der Mann ohne Vergangenheit») führt er nun durch die Höllenkreise der Einsamkeit.

    Der Wachmann Koistinen (Janne Hyytiäinen) durchlebt sie mit ungebrochener Leidensfähigkeit. Er ist ein Ausgeschlossener, der dennoch seinen Optimismus behält. Isoliert unter Kollegen wird er selbst abends in der Kneipe neben die Toilettentür abgedrängt. Die Frau vom Imbisswagen scheint die einzige zu sein, die sein Dasein zur Kenntnis nimmt. Doch dann kommt Mirja (Maria Järrenkelmi), eine femme fatale, die dem Einsamen Hoffnung macht. Sie ist der Lockvogel für Gangster, die einen Juwelenraub planen. Und der romantische Trottel Koistinen soll sie nachts auf einen Kontrollgang durch das Einkaufszentrum mitnehmen.

    Der Film-noir-Plot über eine knappe Länge von 78 Minuten fügt sich in die minimalistische Form Kaurismäkis. In «Lichter der Vorstadt» hat er seinen Stil nochmals reduziert. Umso schwerer lastet die Melancholie über den Bildern, die virtuos das soziale Nichts vermitteln. Immer wieder konterkarieren romantische Songs die Trostlosigkeit und erzählen von den eingeschlossenen Sehnsüchten. In seiner großartigen Eingangssequenz lädt so ein finnischer Schlager lebloses Betonambiente mit Emotionen auf.

    Nirgends lässt sich wohl grenzenlose Einsamkeit besser illustrieren als an menschenleeren Orten, die mit Gefühlsurrogaten aus Lautsprechern beschallt werden. Darum erlebt Kaurismäkis Film seinem Höhepunkt schon zu Beginn. Denn trotz der großartigen Inszenierung mit ihren lakonischen Wendungen driftet er in die Leere. Koistinen wird für den Juwelenraub ins Gefängnis gehen, weil er Mirja nicht verraten will. Nach zwei Jahren Haft kehrt er zurück in eine Welt, in der es jetzt gar keinen Platz mehr für ihn zu geben scheint. Kaurismäkis Film über die Einsamkeit erzählt vom Leidensweg eines Heiligen und seiner Schicksalsergebenheit.

    Ricarda Schrader, dpa

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