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Kritik: Kampfmaschine mit Grips und Kurven

Auf Action muss man nicht lange warten, denn Lara rennt, von Anfang an und viel schneller als Lola. Um in Form zu kommen, lässt sie sich gleich zu Beginn von zwei Killer-Robotern jagen. Sie zerkleinert die High-Tech-Monster mit ihren Handkanonen, dass es nur so kracht.

Der Zuschauer ahnt, dass noch mehr kaputt gehen wird und wieso der Film umgerechnet mehr als 200 Millionen Mark verschlungen hat. Lange haben die Fans der virtuellen Ikone Lara Croft auf deren Menschwerdung darauf gewartet, nun kommt das schnelle Busenwunder in Gestalt der Hollywood-Schönheit Angelina Jolie in die Kinos (28. Juni).

Nach dem Riesenerfolg in den USA dürfte "Lara Croft: Tomb Raider" auch in Deutschland die Kino-Charts erobern. Verdient hat sie das allein schon wegen der harten Arbeit im Fitness-Studio. Drei Monate hat sie in London geschwitzt, damit sie bei der gefährlichen Jagd nach jenem magischen Dreieck, das seinem Besitzer Allmacht über Zeit und Raum verheißt, auf Double meist verzichten konnte.

"Sie ist die am härtesten arbeitende und hingebungsvollste Schauspielerin, mit der ich je einen Film gemacht habe", lobte Regisseur Simon West. "Sie hat Mumm und Köpfchen bewiesen. Das sind genau die Eigenschaften, die Lara am meisten auszeichnen." Und die Ähnlichkeit mit der Spiel-Ikone sei nicht zu übersehen. Zwar musste ein wenig ausgepolstert werden, damit Jolie Laras berühmte Oberweite erreichte, ansonsten aber brachte sie alle äußeren Reize für die Rolle der kurvenreichen Kampfmaschine mit.

Den amerikanischen Medienrummel um ihr nicht ganz bürgerliches Privatleben findet West keineswegs abträglich. Dass die 26-Jährige Ratten als Haustiere liebt, offen über Kamasutra ähnliche Sexualpraktiken mit ihrem Ehemann Billy Bob Thornton (45) plaudert, ein Amulett mit getrocknetem Blut des Gatten um den Hals und tätowierte Liebesschwüre am Körper trägt – das mache Angelina und damit auch die Film-Lara "nur noch geheimnisvoller".

Erst nach langem Zögern hatte sich Jolie, die bisher vor allem als Charakterdarstellerin Lob und im vergangenen Jahr als eine psychisch kranke Frau in "Durchgeknallt" sogar einen Oscar bekam, für die Croft-Rolle entschieden. Schon einmal, zum Beginn ihrer Hollywood-Karriere 1993, hatte sie in einem High-Tech-Spektakel das Action-Mädel gemimt. Heute will sie an die kick-boxende Roboterdame in dem Flop "Cyborg 2" nicht mehr erinnert werden. West musste ihr versprechen, dass die Gestalt der Lara Croft als ebenso draufgängerische wie kluge und stilvolle Frau angelegt wird.

"Mich reizten auch die wundervollen Schauplätze, vor allem die Tempel in Kambodscha, ebenso wie Dreharbeiten in Island", berichtet Jolie. Den Ausschlag habe gegeben, dass West die Action-Heldin vor allem als intelligente Alternative zu den vielen Schwarzeneggers und Stallones anlegte. "Sie ist sehr stark, aber sie ist auch ein Mädchen, eine gute Freundin. Ich mag sie einfach." Dazu passt, dass Jolie die pralle Weiblichkeit der Lara Croft wie selbstverständlich mit sich herum trägt, ohne sie als Mittel zur Durchsetzung ihrer Ziele einzusetzen.

Thomas Burmeister, dpa

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