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Kritik: Jeder kann ein Star sein

David Bowie, Iggy Pop, Lou Reed, Brian Ferry, Marc Bolan – Anfang der Siebziger schockierten sie die Welt. Der Film "Velvet Goldmine" läßt jetzt das exzessive Streben nach einer sexuellen Revolution und das künstlerische Wirken dieser musikalischen Szene auf der Leinwand wieder lebendig werden.

Jeder kann ein Star sein, jeder kann sich selbst ein Alter ego kreieren und sich im Zuge dessen alle Freiheiten nehmen. So lautete die Botschaft. Rocker wie David Bowie und Iggy Pop provozierten in den frühen siebziger Jahren mit androgynem Look und radikal zur Schau getragener Bisexualität. Plateausohlen, Federboas, enganliegende Satinhosen, goldene Sprühfarbe auf der Haut, schwarzer Nagellack und rasierte Augenbrauen waren die optischen Attribute der glitzernden Eruption, die die Hippiebewegung der 60er ablöste.

Der neue Film des jungen amerikanischen Independent-Regisseurs Todd Haynes, beschreibt die Glam-Rock-Ära exemplarisch am kometenhaften Aufstieg von Brian Slade (Jonathan Rhys Meyers) und an den Ereignissen, die dazu führen, daß der Superstar seinen eigenen Tod inszeniert. An der Seite des jungen Hauptdarstellers Meyers setzt Ewan McGregor ("Trainspotting") schauspielerische Glanzpunkte.

Trotz des fiktiven Charakters sind die Parallelen zu David Bowie und seinem Alter ego Ziggy Stardust unübersehbar. Ein wesentlicher Grund, sich von Stardust zu trennen, war für Bowie die Vereinnahmung des Glam Rock durch Pop-Musiker wie Slade, Sweet und insbesondere Gary Glitter. Weshalb Haynes' Protagonist Brian Slade mit seinem Bühnen-Alter-ego ebenso verfährt, ist die Frage, die den Journalisten Arthur Stuart (Christian Bale) bei seinen Nachforschungen, wer und was aus Brian Slade geworden ist, leitet.

Beim Filmfestival in Cannes erhielt "Velvet Goldmine" für die künstlerische Umsetzung den Spezialpreis der Jury. Zu loben ist, wie gekonnt die Musik in die Story eingeflochten ist. Leider läßt sich jedoch die zeitliche Abfolge der verwirrend verschachtelten Geschichte ohne einschlägige Vorkenntnisse nur schwer nachvollziehen. Zuschauer, die nicht mit Glam Rock aufgewachsen sind, haben aber einen Vorteil: Die künstlerischen Freiheiten, die sich der Regisseur nicht zuletzt wegen auferlegter Zwänge nahm - Bowie verweigerte die Rechte für seine Musik, weil er selbst seit zwei Jahren an einem Film zum Thema arbeitet – werden sie weniger als Manko empfinden werden.

Silke Weiss, dpa

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