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Kritik: Im Zweifelsfall Latrinenhumor

Fäkalgags im Fünf-Minutentakt

Hinten lang, vorne kurz, Schnurrbart, Manta sind die Charakteristiken, die fast alle auch auf Joe Dreck zutreffen: er fährt zwar keinen Manta, aber seine einzige Lektüre sind Autozeitschriften. Entdeckt wird der junge Mann, als er den Schrubber durch die Flure einer Radiostation zieht. Zwei hippe Radiojournalisten setzen den Raumpfleger auf den heißen Stuhl einer Radiosendung, in der Joe von einem zynischen Moderator fertig gemacht werden soll. Doch der gutmütige Joe lässt die Ironie des Befragers ins Leere laufen und erzählt ungerührt seine bizarre Lebensgeschichte, die immer mehr Zuhörer erst zum verächtlichen Lachen und dann zum Mitfiebern bringt.

Seine Mähne zum Beispiel, hinten schulterlang, auf der vorderen Kopfhälfte struwwelig kurz, ist eine Perücke, die ihm seine Eltern aufgesetzt haben, weil nach der Geburt sein Gehirn zu sehen war. Die Haarmatte ist auf der Kopfhaut festgewachsen. Seine Eltern hat er zum letzten Mal gesehen, als er im Alter von acht Jahren bei einem Ausflug zum Grand Canyon in einer Mülltonne nach Essensresten suchte. Und als er wieder auftauchte, waren sie weg. Doch der Zynismus des Films kennt keine Grenzen. In Rückblenden werden Joe Drecks Erlebnisse bei seiner lebenslangen Suche nach seinen Erzeugern gezeigt. Konsequent aus einer einzigen Perspektive: von ganz unten, aus der Kloschüssel heraus.

Alle fünf Minuten gibt es einen Fäkalgag, wie jener, bei dem Joes liebster Begleiter ein Meteorit ist, der eines Nachts vom Himmel fiel. Der Stein entpuppt sich als gefrorene Exkremente aus einem Flugzeug. Analer Humor dieser Art erschlägt alle halbwegs witzigen, detailfreudigen Szenen, die in "Joe Dreck" auch vorkommen; so gibt es eine hübsche Episode mit Christopher Walken als Mafiakronzeugen, dessen Tarnung Joe vermasselt.

Die Hilfsarbeiterjobs, die Joe annimmt, als lebende Werbetafel, Ölarbeiter, Alligatorendressierer, Schiffsschaukelbremser, haben durchaus ihre komischen Momente, und seine von Lynyrd-Skynyrd-Rockmusik untermalte Odyssee durch Jahrmärkte, Wohnwagensiedlungen, und Fast-Food-Meilen zeigt die hässliche Seite des amerikanischen Traums. Deshalb darf man den Filmemachern aber keineswegs satirische oder gar sozialkritische Absichten unterstellen.

Joe Dreck, der "Forrest Gump" für Arme, hat nicht das Recht auf einen individuellen Charakter und bleibt ein Watschenmann, an dem sich alle diejenigen abreagieren, die es gerade noch geschafft haben. Ihm wird als Ausgleich ein märchenhaft unwahrscheinliches Happy End gegönnt: eine hübsche Blondine, die den Kretin mit Herz allen anderen Bewerbern vorzieht. Aber er bleibt, der Titel legt den Ausdruck nahe, der letzte Dreck. Was sich durchaus auch auf Inszenierung und Tenor des Films ausdehnen lässt.

Birgit Roschy, AP

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