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Kritik: Im Gefängnisdrama sitzt der Teufel hinter dem Schreibtisch

Das Anliegen ist ehrenhaft: ein Gefängnisfilm, der zeigt, daß die Trennung von gut und böse nicht durch schwere Eisenstäbe und gußeiserne Türen vollzogen werden kann, sondern der Teufel sich hinterm Schreibtisch in Form eines sadistischen Gefängnisdirektors (grandios: Gary Oldman) verstecken kann, während der Häftling (von beklemmender Intensität: Kevin Bacon) – als eine an Leib und Seele geschundene Kreatur, die nach mehrmonatiger Dunkelhaft einen Mitinsassen niedersticht – scheinbar unschuldiges Opfer der unmenschlichen Verhältnisse im Knast wird.

Das Gefängnis und nicht die Gene machen den Menschen erst zum Mörder – und das ausgerechnet in Alcatraz, der legendären Gefängnisinsel in der Bucht von San Francisco, deren Härte schon die Film-Häftlinge Clint Eastwood ("Die Flucht von Alcatraz") und Burt Lancaster ("Der Gefangene von Alcatraz") durchleiden durften. 1943 wurde dort die Isolierhaft abgeschafft. Grund war jenes Ereignis aus dem Jahr 1941, das der junge Regisseur Mark Rocco ("Straßenkinder") zum Gegenstand seines zweiten Films macht: Die Qualen der Dunkelzelle machen einen harmlosen Dieb, der vom Direktor nach einem Fluchtversuch zu einer dreijährigen (!) Isolierhaft verdammt wurde, erst zu einem abgebrühten, seine Sinne nicht mehr beherrschenden Mörder – aufgedeckt durch einen jungen couragierten Pflichtanwalt, der die Leiter des Gefängnisses in einem spektakulären Prozeß vor Gericht bringt.

Wie gesagt, alles gut gemeint, und doch stößt die gute Absicht in dem Film des 34jährigen Marc Rocco sauer auf: weil sich die Bilder bei dem Absolventen der südkalifornischen Filmschule von Los Angeles verselbständigen. Das höchst kunstvoll gesetzte Licht, die äußerst bewegliche Kamera – mal im Halbkreis wild rotierend, mal aus der schrägen Perspektive still beobachtend – sowie die schnellen Schnitte mögen zwar eine gute Übung für einen Filmstudienabgänger sein. Doch haben sie in dieser ernsten Geschichte um die Divergenz von Recht und Ungerechtigkeit und um den Wert der Freundschaft überhaupt nichts zu suchen. Denn diese will ruhig und sensibel erzählt werden und nicht als Versuchslabor für einen Visualisten herhalten. Wenn sich der engagierte Junganwalt James Stamphill (blaß: Christian Slater) dem unruhig in der Ecke kauernden Angeklagten Henry Young in schwierigen Gesprächen anzunähern versucht, ein Freund werden will, dann sollte die Kamera stilles Mäuschen sein. Statt dessen fährt sie wie wild hinter den Gitterstäben entlang. Die Bilder erzählen eine schöne Geschichte, die Dialoge leider eine ganz andere.

Und so bekommt man nicht viel mit von diesem Henry Young, der für sich und seine hungrige Schwester die fünf Dollar geklaut hat, bevor er als gequälte Kreatur, eingeschränkt in der Wahrnehmungsfähigkeit, im Speisesaal den vermutlich Verantwortlichen für seine Leiden niederstach – und so vom harmlosen Dieb zum gemeingefährlichen Mann wurde, der einen "murder in the first degree" beging. Es bleibt nicht viel mehr übrig als der gigantische Eindruck von einem unheimlichen Bilder-Sturm.

"Murder In The First" (USA) 1995: 124 Minuten. Regie: Mark Rocco. Drehbuch: Dan Gordon. Kamera: Fred Murphy. Musik: Christopher Young. Darsteller: Christian Slater, Kevin Bacon, Gary Oldman, Embeth Davidtz.

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