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Kritik: Hollywood-Debüt für Chow Yun-Fat

Autoscheiben zerbersten in einem glitzernden Splitterfeuerwerk, grell explodieren große Feuerbälle, elegant wie ein Panther hechtet der Held aus der Gefahrenzone und schießt im Fallen auf die Verfolger. Actionsszenen wie diese sind an sich nichts Neues. Das Besondere an dem Thriller "The Replacement Killers – Die Ersatzkiller" ist, daß es das Regie-Debüt eines Spezialisten für Werbespots und Musikvideos wie "Gangsta's Paradise" ist.

Antoine Fuqua hat gezeigt, daß er sich bestens auf Actioneffekte versteht. Doch die ziemlich vorhersehbare Story ist der Schwachpunkt des Films.

Der Hollywood-Neuling sollte dem Hongkong-Star Chow Yun-Fat ein wirkungsvolles Debüt in Amerika verschaffen. Der genießt in der ehemaligen britischen Kronkolonie spätestens seit der Gangsterballade "Der City-Wolf" von 1986 Kultstatus. Typen wie er "mit der intensiven Ausstrahlung eines Bogart oder Cagney" seien gegenwärtig in Hollywood nicht zu finden, meinten die Produzenten.

In "The Replacement Killers" spielt Chow Yun-Fat einen Killer mit Gewissen: John Lee steht – unfreiwillig – in Diensten des chinesischen Paten von Los Angeles, Mr. Wei. Dessen Sohn wird bei einem Drogendeal von dem Polizisten Zedkov (Michael Rooker) erschossen. Lee soll Rache üben und Zedkovs Sohn erschießen. Als er den Jungen ins Visier nimmt, bringt er es jedoch nicht übers Herz, abzudrücken. Er entscheidet, den Auftrag nicht auszuführen.

Von nun an wird der Jäger zum Gejagten. Lee versucht, mit Hilfe seines Freundes, eines buddhistischen Mönchs, seine Familie in Sicherheit zu bringen und dann mit einem falschen Paß Amerika zu verlassen. Doch im Büro der Fälschungsexpertin Meg Coburn (Mira Sorvino) tauchen Weis Killer auf. Lee und Meg gelingt es, dem Kugelhagel zu entkommen. Doch es dauert nicht lange, und sie werden von Weis "rechter Hand" Kogan (Jürgen Prochnow) und seinen Männern gejagt. Auch die Polizei ist ihnen auf der Spur, und dann tauchen die Ersatzkiller (Til Schweiger und Danny Trejo) auf, die Lees Auftrag für den chinesischen Paten zu Ende führen sollen.

Die Killer schießen alles kurz und klein. In den spektakulärsten Szenen hagelt es Kugeln in einer Autowaschanlage und in einer Videospielarkade. Die Orgien der Zerstörung sind effektvoll in Szene gesetzt. Das sieht über lange Strecken wie ein Spiel aus. Um so schockierender wirken dann die Großaufnahmen, in denen Menschen brachial verletzt oder getötet werden.

Fuqua ist trotz aller visuellen Opulenz und spannungsreichem Tempo kein ganz großer Wurf gelungen. Die Zahl der Zuschauer in den US-Kinos ist mit 18 Millionen relativ bescheiden geblieben. Das mag daran liegen, daß der Held sich zwar mächtig ins Zeug wirft – Chow Yun-Fat bekam, heißt es, vom pausenlosen Schießen Blasen an den Händen -, aber für einen Sympathieträger zu unnahbar und maskenhaft bleibt.

Das ist bei Mira Sorvino ganz anders. Die als Woody Allens "Geliebte Aphrodite" mit dem Oscar ausgezeichnete Darstellerin gibt der taffen Fälscherin, die einstecken kann, aber auch ein weiches Herz hat, Persönlichkeit.

Eine Überraschung ist Til Schweiger. Der 34jährige Deutsche spielt gegen sein Image als netter Schönling bei seinem Hollywood-Debüt einen der Ersatzkiller. In langer schwarzer Lederkluft führt er eine fast statuenhafte breitschultrige Stärke vor. Da er bei seinen kurzen Auftritten kein Wort sagen mußte, brauchte er nur einen eiskalten und fiesen Gesichtsausdruck aufzulegen. Und das gelingt ihm eindrucksvoll.

Inge Treichel , AP

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