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Kritik: Hoffnung auf ein besseres Leben

Die Flüchtlinge aus der Ukraine glauben schon, die Lichter Berlins zu sehen. Noch wissen sie nicht, dass Schleuser sie vor der deutsch-polnischen Grenze ausgesetzt haben. Dort, wo die Oder zwischen Frankfurt und Slubice zwei Welten trennt, hat Hans- Christian Schmid seinen neuen Film "Lichter" angesiedelt.

"Es ist ein Ort, der sich anbietet, um etwas über dieses Land auch als Teil der EU zu erzählen", sagt Schmid. "Es ist interessant, sich dieser Grenze anzunähern und nach Osten zu blicken. Es ist ja alles in Bewegung. Ich denke, dass der deutsche oder auch der polnische Film diese Prozesse in Zukunft widerspiegeln sollte."

Vom Prozess der Annäherung sind die Menschen in seinem Episodenfilm noch weit entfernt. Sie sind, hüben wie drüben, verzweifelt. In Frankfurt verdrängt ein Matratzenhändler die Erkenntnis, dass er pleite ist, mit einer lächerlichen Werbeaktion. Auf der Suche nach Geborgenheit hilft eine jugendliche Ausreißerin zwei Brüdern beim Schmuggeln von Zigaretten. Im Kampf ums Überleben wird selbst für die Bravsten Legalität irgendwann zum Luxus.

Die Geschichten werden ruhig und souverän erzählt

Taxifahrer Antoni (Zbigniew Zamachowski) und seine Frau kommen in Slubice gerade so über die Runden, weil Milena (Aleksandra Justa) gelegentlich im Westen jobbt. Für Ingos maroden Matratzenladen hat sie umsonst gearbeitet. Der ist bankrott, und Milena weiß nicht, wie sie das Kommunionskleid für ihre Tochter bezahlen soll. In letzter Minute lässt sich Antoni darum als Fluchthelfer für die drei gestrandeten Ukrainer anheuern.

Auch für "Lichter" hat Hans-Christian Schmid (wie bei "Nach fünf im Urwald", "23" und "Crazy") mit Drehbuchautor Michael Gutmann zusammen gearbeitet. Die zwei bilden eines der beständigsten Teams der deutschen Filmszene. Von ihrem souveränen ruhigen Erzählstil profitiert auch dieses grenzüberschreitende Episodenstück. "Michael Gutmann und mir ging es in erster Linie darum, fünf emotionale Geschichten zu finden", sagt Schmid. "Und die Grenze gibt einen idealen Rahmen und Ort vor, diese Geschichten zu bündeln."

Kamera schafft eine unsentimentale Nähe zu den Figuren

Der polnische Kameramann Bogumil Godfrejow hat mit schlichter Intensität fotografiert. Das erzeugt eine unsentimentale Nähe zu den Figuren. Die "Vorsicht und Genauigkeit", wie der Schauspieler August Diehl Schmids Art zu beobachten und zu inszenieren beschreibt, verleiht dem Film seine Authentizität. In Schmids Hacker-Thriller "23" hatte Diehl seine erste Kino-Rolle. In "Lichter" spielt er einen ehrgeizigen jungen Architekten aus Frankfurt/Oder, der in Slubice beruflich und privat desillusioniert wird.

Auf der anderen Seite der Oder arbeitet Sonja (Maria Simon) als Übersetzerin beim deutschen Bundesgrenzschutz. Sie beschließt, einem russischen Flüchtling zu helfen. "Wenn einem bei der Recherche mehrere Dolmetscherinnen gestehen, dass sie manchmal heulend nach Hause gehen", sagt Schmid, "dann weiß man, dass man so eine Geschichte erzählen kann.".

Ricarda Schrader, dpa

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