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Kritik: Historiendrama mit kritischem Blick auf die Gegenwart

Erwachsene, die in drückender Armut leben müssen, und Kinder unterm düsteren Bann bigotter kirchlicher Macht sind die Protagonisten der britischen Romanverfilmung "Liam".

Der beschwerliche Alltag dieser Menschen im Liverpool der 30er Jahre wird aus der naiven Sicht des siebenjährigen Titelhelden (eindringlich dargestellt von Anthony Borrows) beleuchtet.

Doch Regisseur Stephen Frears interessiert die Rückschau insbesondere als Mittel zur Auseinandersetzung mit gegenwärtigen Problemen. Er sagt dazu: "Nostalgie ist nicht meine Sache. Ich schaue filmisch zurück, um zum Nachdenken über das Hier und Jetzt anzuregen, wie zum Beispiel Rassismus und Terrorismus." Damit verweist Frears auf die wesentliche Stärke seiner Adaption des Buches von Jimmy McGovern, der auch das Drehbuch für die Kinoversion schrieb.

Scharf gezeichnetes Gesellschaftspanorama

Die Geschichte entwickelt sich nämlich von der zunächst recht pittoresk anmutenden Sozialstudie aus Kindersicht zu einem scharf gezeichneten Gesellschaftspanorama, das den Blick auf die Ursachen von aggressiver Unmenschlichkeit lenkt. Dabei rückt die Figur von Liams Vater, dem der englische Theater- und Filmstar Ian Hart fern von Larmoyanz Profil verleiht, ins Zentrum. Arbeitslos und desillusioniert schließt er sich den Faschisten an und wird schließlich zum blutrünstigen Monster gegen jüdische Mitbürger. Dabei aber gerät seine Tochter, Liams Schwester Teresa (Megan Burns) ins Schussfeld der Gewalt, was das Drama für die Beteiligten ins schier Unerträgliche weitet.

"Wir möchten das Publikum emotional erreichen"

Die Story fesselt allein schon als kraftvolle Familienchronik, die dank exzellenter Schauspieler in den Bann schlägt. Die darin dramaturgisch klug verpackten Gedanken etwa zum Zusammenhang von Arbeitslosigkeit und Gewaltbereitschaft sowie falsch gelebtem Glauben und psychischer Not wirken in keinem Moment aufgesetzt. Damit erreichte Stephen Frears eines seiner wichtigsten Ziele, das er so beschreibt: "Wir möchten unterhalten, wir möchten das Publikum emotional erreichen. Und wir wollen zugleich, dass die Zuschauer über sich und ihren Anteil an der Verantwortung für den Zustand der Welt nachdenken."

Peter Claus, dpa

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