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Kritik: HipHop hautnah

"Unpeinlichkeit ist eine unserer größten Maximen."

"Was geht, was geht, ich sag's Euch ganz konkret" – seit rund zehn Jahren zeigen die Fantastischen Vier, wo es im deutschen HipHop langgeht. Nun geben sie Fans und Kritikern einen Einblick in ihr intimes Bandleben – hautnah und direkt. Mit seinem Dokumentarfilm "Was geht. Die Fantastischen Vier", der am Donnerstag in die Kinos kommt, gelang Regisseur Dieter Zimmermann ein Porträt der vier HipHopper aus nächster Nähe. Er zeigt sie auf der Bühne und dahinter, im Tourbus und im Studio, interviewt Eltern und Freunde. "Der hat echt unser Leben der letzten zehn Jahre in 80 Minuten zusammengefasst", meint Bandmitglied Smudo alias Michael B. Schmidt im dpa-Gespräch leicht erschaudernd.

Zimmermann hat die Band, die deutschen HipHop hör- und chartfähig gemacht hat, fast zwei Jahre lang mit der Kamera begleitet. Er verfolgte nicht nur die Entstehung des Albums "4:99" sowie die dazugehörige Tournee. Sein Blick galt auch dem Leben der vier Musiker Smudo, Thomas D., Hausmarke und And.Y, die als Freunde starteten und mittlerweile so etwas wie eine Familie sind. Damit ist der Streifen mehr als ein Musikfilm für Fans. "Es ist ein Film für grundsätzlich jeden, der interessiert ist an der Frage, was eine Band ausmacht", meint Smudo. "Es ist eine waschechte, ernste, interessante und unterhaltsame Musik-Doku" – sogar mit nackten Tatsachen unter der Gemeinschaftsdusche.

In klassischer Doku-Manier beleuchtet der Film das Leben der Fanta 4: Die Performance auf der Bühne, die selbstkritische Analyse, das minutiöse Feilen an den Songs, die Selbsteinschätzung der Musiker, ihr Privatleben und das ihrer Familien. Und gerade diese Szenen machen den besonderen Charme des Films aus: Thomas' Mutter etwa, die beim Kartoffel schälen erzählt, wie sensibel und eitel ihr Junge doch war; Smudos Eltern, die beim Anschauen alter Super-8- Kinderfilme rührselig werden oder auch Thomas D. beim Rodeo-Ritt auf seinem Hausschwein.

Mit ihrem Sprung auf die Kinoleinwand, der zunächst nur als Ausflug ins TV gedacht war, haben sich die vier Rapper aus Stuttgart ein mediales Denkmal gesetzt – und somit fast alles erreicht im Showbiz: Mit dem Megahit "Die da" waren sie Anfang der 90er Jahre als Spaßrapper gestartet. Die Alben "Die 4. Dimension" und "Lauschgift" etablierten sie als ernst zu nehmende HipHopper. Mit ihrem Label Four Music unterstützen sie seit Jahren junge Rap- Talente, und der Auftritt bei "MTV unplugged" ganz ohne Elektronik brachte ihnen Ruhm und Ehre. "Ich halte uns für eine sehr relevante Band, was die deutsche Popmusik angeht", meint Smudo unbescheiden, aber durchaus zurecht. Nun kommt ein abendfüllender Kinofilm: Ist das Ende nahe?

Manager Andreas "Bär" Läsker gibt einen Hinweis in diese Richtung. Der Streifen sei zwar kein Abschiedsfilm, "aber das Ganze hat eine natürliche Endung, die Fantas sind ja nicht die Rolling Stones", sagt er im Film. Doch Smudo sieht das ein bisschen anders: "Es gibt zwar eine persönliche Grenze, aber HipHop kann auch alt werden. Ich kann mir durchaus Konfigurationen von erwachsenem HipHop vorstellen", meint der 33-Jährige im Interview. Doch wichtig sei, dass das nicht peinlich werde. "Unpeinlichkeit ist eine unserer größten Maximen." Er wünscht sich das Ende als echte Charakter- Entscheidung: "Vor einem schlechten Album zu stehen und zu sagen, jetzt hören wir auf" – das wäre ein gutes Ende.

Patrick T. Neumann, dpa

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