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Kritik: Harte Schnäpse und doch ein poetisches Meisterwerk

Wunderbare Landschaften und harte Schnäpse, betörende Frauen und ärmliche Männer, reich an Waffen: ein wüster Western vom Balkan? Milcho Manchevskis Mazedonien, einst Republik von Jugoslawien, wirkt eher wie ein Paradies im Wartestand. In drei geschickt miteinander verknüpften Episoden erzählt der junge Regisseur und Autor von drei Menschen, deren Biographien auf tragische Weise mit Mazedonien verbunden sind: Kiril, der schweigsame junge Mönch, Anne, die Frau zwischen zwei Männern, schließlich Aleksander, der international renommierte Fotoreporter, der nicht findet, was er sucht, weder im Beruf noch in der Liebe.

So kehrt Aleksander aus London zurück in seine seit Jahrhunderten geschundene Heimat. Rade Serbedjija spielt den desillusionierten mazedonischen Journalisten, der wieder zu den rauhen Schnäpsen strebt. Mitten durch sein Dorf verläuft inzwischen die Front zwischen Muslimen und Christen. Und als endlich der Regen des Titels einsetzt, lösen sich alle Spannungen auf eine gegenwärtig im östlichen Europa übliche Art – durch Gewalt. Krieg ist furchtbar, lehrt dieser wunderbar fotografierte Film, Krieg kennt keine Unschuldigen, erzählt dieser Streifen, Krieg ist überall oder zumindest gleich um die europäische Ecke.

"Vor dem Regen", eine mazedonisch-englisch-französische Co-Produktion, die 1994 in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde, erweist sich als ein Low-Budget-Film für höchste Ansprüche, als ein poetisches Meisterwerk mit atemberaubenden Schnitten, soghafter Musik und einer eigenartigen Verbindung von häufig ratternder Kalaschnikow und archaischer Kultur. In der letzten Drehwoche wurde Mazedonien offiziell als unabhänger Staat anerkannt, ein Bürgerkrieg scheint damit freilich nicht verhindert.

"Vor dem Regen" (Großbritannien/Frankreich/Mazedonien) 1994. 115 Minuten. Freigegeben ab 12 Jahren. Drehbuch und Regie: Milcho Manchevski. Kamera: Manuel Teran. Darsteller: Katrin Cartlidge, Rade Serbedzija, Gregoire Colin, Labina Mitevska, Jay Villiers.

Copyright: DIE WELT, 28.9.1995

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