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Kritik: Großes dänisches Kino

Dass Mads Mikkelsen in Europa als einer der Top-Schauspieler gilt, verwundert nicht. Mit seinem ausdrucksvollen, kantigen Gesicht und seinem stillen intensiven Spiel verleiht der Däne nicht nur dem Bösewicht im neuen James Bond-Film «Casino Royale« eine starke Präsenz.

Vom 1. Februar an beeindruckt er im Oscar-nominierten Film «Nach der Hochzeit« der dänischen Regisseurin Susanne Bier. Mit ihrem neuen Werk ist ihr eine wunderbare, dicht erzählte Geschichte voller Gefühle gelungen, in der es um Aufrichtigkeit, Verantwortung und Verzeihen geht.

Mikkelsen spielt darin den Leiter eines indischen Waisenhauses, der unwillig nach Dänemark reist, um bei dem reichen Geschäftsmann Jörgen (Rolf Lassgard – «Wallander») persönlich eine Geldspende abzuholen. Als er dort ankommt, fühlt er sich fremd und verloren. Doch Jörgen lädt Jacob ohne Umschweife zur Hochzeit seiner Tochter Anna ein – eine auf den ersten Blick freundliche Geste, die das Leben aller Beteiligten aber von Grund auf verändern wird. Nicht nur, dass sich Jörgens Frau als seine Ex-Freundin Helene (Stine Fischer Christensen – «Alt, neu, geliehen und blau») entpuppt. Viel schockierender ist für Jacob die Tatsache, dass Anna ihre gemeinsame Tochter ist, von der ihm Helene nie erzählt hat. Diese Erkenntnis ist auch für Anna ein Schock, da sie in dem Glauben aufgewachsen war, ihr leiblicher Vater sei tot. Panisch will Jacob nach Indien zurück, doch Jörgen hält ihn zurück, da er ganz andere Pläne mit ihm hat.

Mit einer reichen, aber klaren Bildersprache in der Tradition der Dogma-Filme unterstreicht Susanne Bier («Open Hearts») die Gefühle und Ängste ihrer Figuren. Während Indien in satten, warmen Farben leuchtet, trifft Jacob in Dänemark auf eine unterkühlte, klinisch reine Umgebung. Seine luxuriöse Hotelsuite, ausgestattet mit modernstem, minimalistischem Design, wirkt wie ein gläserner Käfig, der ihn einengt und ihn bedrückt. Immer wieder blitzen Einblendungen aus Indien auf, große braune Kinderaugen, fröhliche Straßenszenen und die Hand einer Frau, die zärtlich über einen behaarten Männerkörper gleitet. Vieles zeigt die Kamera in großer Detailaufnahme – fragende Augen, eine Hand, einen Mund.

Bier arbeitet mit Symbolen: ein toter Fuchs und ausgestopfte Jagdtrophäen an den Wänden von Jörgens Villa deuten auf den Tod hin, der das Schicksal aller Beteiligten bestimmen wird. Schnelle und unerwartete Schnitte und minimale Zeitsprünge lassen den Zuschauer eine Unruhe verspüren, die vor allem von Jörgen ausgeht. Seine tödliche Krankheit lässt dem dominanten und cholerischen Mann nur noch wenig Zeit, das Schicksal seiner Familie in seinem Sinne zu regeln. Doch trotz der schwerwiegenden Themen erdrückt der Film nicht mit seinen Gefühlen. Sie gehen zu Herzen, entlassen einen aber auch am Ende mit einem tröstlichen Hoffnungsschimmer.

Cordula Dieckmann, dpa

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