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    Kritik: Gefährliche Filmkomödie:

    Grün gepunktete Linien, die sich auf einem schwarzen Bildschirm in Zeitlupe aufeinander zubewegen - dies ist das erste Sinn-Bild der Fluglotsen-Komödie "Turbulenzen und andere Katastrophen", die am 29. Juni in die Kinos kommt.

    Denn die scheinbar unaufhaltsam auf eine Kollision zusteuernden Punkte werden in letzter Sekunde von den Männern mit den eisernen Nerven millimetergenau aneinander vorbei geleitet. Das heißt, wenn Nick, Barry und Ed und all die anderen gut drauf sind - wenn nicht die grünen Punkte im Privatleben, die Freundinnen und Ehefrauen, miteinander zu kollidieren drohen.

    In diesem Fall nämlich kommt es öfter mal zur Beinahe-Katastrophe, die bei den Fluglotsen vor dem Schirm und bei den Zuschauern zu heftigen Adrenalinschüben führt. "Turbulenzen und andere Katastrophen" ist zunächst eine spannende, glaubwürdige Darstellung des Fluglotsenalltags. Nick Falzone ist der unsichtbare Herr der Lüfte, der Star der Truppe in einem Lotsenzentrum auf Long Island, der zusammen mit seinen Kollegen über 7.000 Flüge für drei New Yorker Flughäfen kontrolliert. Es sind anständige Kerle aus dem Working-Class-Milieu, die stolz sind auf ihren hohen Verdienst, auf ihre Reaktionsschnelligkeit, auf ihre schmucken Häuser und ihre niedlichen Ehefrauen.

    All das gerät ins Wanken, als Nick es mit einem neuen Kollegen zu tun bekommt, Russell Bell, dem ein legendärer Ruf vorauseilt. Russell ist wortkarg, fährt ein schweres Motorrad, trägt eine Indianerfeder im Haar und ist so cool wie Buddha - eine Provokation für das "Alpha-Tier" Nick, dem sich bei Russells ironischem Lächeln die Nackenhaare hochstellen. Und als Russells junge Frau bei der wöchentlichen Grill-Party der Crew zum ersten Mal auftaucht, hat Russell Nick eindeutig den Rang abgelaufen. Denn Mary ist 20 Jahre jung, eine atemberaubende Sexbombe im Leopardenmini und augenscheinlich total in Russell verliebt.

    Als Nick sie zufällig in Tränen aufgelöst im Supermarkt trifft, mit ihr essen, trinken und dann ins Bett geht, ist dabei ebenso viel Konkurrenzdenken wie echte Anziehung im Spiel. Mary allerdings beichtet Russell ihren One-Night-Stand, und damit gerät die Komödie in gefährliches Fahrwasser. Denn Russell will sich nicht etwa prügeln mit seinem Nebenbuhler - er erklärt Nick, dass man bei einer hübschen Frau mit so etwas eben rechnen müsse.

    Der britische Regisseur Mike Newell, der unter anderem die Erfolgskomödie "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" drehte, gelingt in der ersten Hälfte des Films eine spritzige, dialogsichere und dabei hintergründige Charakterkomödie, die ganz von ihren hervorragenden Darstellerpaaren lebt. Sie retten den Film auch über die zweite Hälfe, in der er - ein Tribut an Newells Arbeitgeber in Hollywood - nach dem fulminanten Take-Off als lahme Ente in einem biederen Happy End landet.

    Wunderbar anzusehen - nicht nur wegen ihrer sensationellen Schnute - ist Angelina Jolie als labil-laszive Mary. Gut auch Cate Blanchett als aufgeräumte Ehefrau Connie, die sich von Zen-Macho Russell faszinieren lässt. Billy Bob Thornton ist der perfekte Gegenspieler zu Italo-Macho Nick, gespielt von John Cusack, der an den Rand des Nervenzusammenbruchs gerät. Allerdings werden sich reale Fluglotsen für diese Ego-Komödie um ihren Beruf kaum bedanken - dazu werden Privatleben und Job allzu haarsträubend miteinander verknüpft. Und deshalb sollten auch Menschen, die im Begriff stehen, eine Flugreise anzutreten, es sich gut überlegen, ob sie sich ausgerechnet diesen Film anschauen.

    Birgit Roschy, AP

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