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Kritik: Gauner vom alten Schlag

«Ruby Quentin: Der Killer und die Klette» ist ein Film wie aus einer anderen Zeit. Der französische Komödien-Altmeister Francis Veber, der schon die Drehbücher für die Filme über den «Großen Blonden» mit Pierre Richard geschrieben hatte, brachte erstmals Gérard Depardieu und Jean Reno zusammen vor die Kamera – und schuf mit einfachsten Mitteln eine urkomische Gaunerklamotte, wie sie auch vor 30 oder 50 Jahren hätte einschlagen können.

»:Jean Reno spielt den Profikiller Ruby, einen seiner typischen wortkargen Helden mit versteinertem Gesicht. Er hatte eine Affäre mit der Freundin von einem Mafiaboss, dieser ließ die junge Frau töten, und jetzt ist Ruby auf Rache aus. Er klaut und versteckt 20 Millionen Euro, die die Bande bei einem Banküberfall erbeutet hat, kommt dabei aber selbst ins Gefängnis. Dort trifft er auf den Kleinkriminellen Quentin, ein treuherziges, kindisches Plappermaul mit einem unverwüstlichen Talent, sich und andere in Schwierigkeiten zu bringen.

Das Schlimmste für Ruby: Der von Depardieu gespielte Quentin meint, in ihm einen Freund gefunden zu haben, eigentlich nur, weil er als einziger Zellennachbar sein Geschnatter mit stoischem Schweigen ertrug. Seitdem läuft für den gefürchteten Killer nichts mehr wie vorgesehen. Der durchgeplante Ausbruchversuch gerät wegen Quentins paralleler Fluchtaktion zum Desaster, die beiden müssen in Pyjamas aus dem Gefängniskrankenhaus ohne Geld vor der Polizei und den Leuten der Mafia flüchten und stolpern dabei von einer Panne in die nächste.

Der inzwischen 66-jährige Veber hat eine Komödie mit einfachem, aber todsicherem Witz gedreht. Viele Szenen habe er immer wieder drehen müssen, weil Jean Reno keine ernste Miene halten konnte, erinnert sich Veber. Der überraschend jung wirkende Depardieu entfacht ein komödiantisches Feuerwerk und schafft es, Klamauk mit Verletzlichkeit zu kombinieren. «Wenn er alles gibt, ist er der beste in der Welt», schwärmt Veber über den 55-Jährigen. Allerdings drehe Depardieu zuviel, «vermutlich, weil er den vielen Problemen in seinem wirklichen Leben in der Schauspielerei entfliehen will».p

Der Obelix-Darsteller nahm für den Film fast 50 Kilo ab, erzählt Veber. «Ich habe überhaupt nie jemanden gesehen, der schneller Gewicht ansammelt und verliert als Gerard. Du triffst ihn am Mittwoch – und am Freitag hat er schon 50 Kilo mehr.» Jean Reno, der mit 55 keine Lust mehr auf den Part des coolen Schweigers hat, parodiert seine gewöhnlichen Rollen wie die des Profikillers Leon.

So unbekümmert leicht der Film auch wirkt – dahinter steht ein Jahr qualvollen Schreibens mit der ständigen Angst, eine langweilige Szene zu schreiben, betont Veber. Improvisation toleriert der Regisseur und Drehbuchautor nicht, auf dessen Konto auch Filme wie «Ein Tollpatsch kommt selten allein», «Die Filzlaus», «Ein Käfig voller Narren» oder «Jaguar» gehen. Der große Billy Wilder habe einmal zu einem improvisierenden Schauspieler gesagt: «Ich habe acht Stunden gebraucht, um diese Zeile zu schreiben, Sie haben sie in drei Sekunden geändert. Dann wird meine Version wohl besser sein.» Daran halte er sich auch. «Komödie ist eben ein extrem präzises Geschäft».

dpa

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