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    Kritik: Eros-Klassiker im Kino

    Stuttgart (AP) Indien im 16. Jahrhundert ist der Schauplatz der amerikanischen Kinoproduktion "Kama Sutra". Der Titel verspricht es schon: Den Zuschauer erwartet Erotik und jede Menge Leidenschaft. Denn das Kamasutra aus Indien ist das älteste erhaltene, auch im Westen so legendäre wie klassische Lehrbuch der Erotik. Vermutlich im sechsten Jahrhundert verfaßt, ist es zudem eine der wichtigsten Quellen indischer Kulturgeschichte.

    Die Leinwandfassung "Kama Sutra" erzählt die Rivalität zweier Frauen ganz unterschiedlicher Herkunft: Die edle Prinzessin Tara und die einfache Dienerin Maya buhlen um die Gunst von König Ray Singh. Den Konflikt der beiden Frauen begründet ein kurzer Blick in die Kindheit: Juwelentochter Tara (Sarita Choudhury) wird in die Regeln des Kama Sutra unterwiesen. Maya hingegen bleibt vom königlichen Kreis ausgeschlossen.

    Am Abend der Hochzeit Taras mit Schönling Ray, schafft es Maya (Indira Varma) dem König den Kopf zu verdrehen, indem sie ihn mit ihrer Leidenschaft fast verschlingt. Der Betrug wird aufgedeckt und Maya wird vom Hof verbannt. Doch Ray (Naveen Andrews) kann nur noch an Maya denken. Und, welch Glück für Maya, auch sie schafft es, eine Lehrerin für Kama Sutra zu finden. Und es kommt noch besser: Ray findet sie wieder und holt sie in seinen Harem am Hofe. Das ist nun die Chance für die Dienerin, für immer das Herz Rays zu erobern.

    "Kama Sutra" ist ein romantischer Film voller harmonischer Landschaftsaufnahmen, die die menschlichen Leidenschaften akzentuieren sollen. Erotische Höhepunkte enden deshalb jedesmal in Sonnenuntergängen: Wer auf heißen Sex oder gar Pornographie spekuliert, kommt nicht auf seine Kosten. Dafür bürgt auch der gute Name der indischen Regisseurin Mira Nair, die für ihr aufsehenerregendes Spielfilmdebüt "Salaam Bombay" 1988 in Cannes ausgezeichnet wurde und seitdem in Amerika tätig ist.

    Doch gedreht wurde Nairs neuer Film ausschließlich an Orginalschauplätzen in Indien. Das wurde kein leichtes Unterfangen, denn in dem Riesenland scheinen Themen wie Liebe und Sexualität in der Öffentlichkeit weiterhin tabu zu sein: "Obwohl wir von der Regierung die üblichen Drehgenehmigungen erhielten, waren wir Opfer endloser Belästigungen, Erpressungsversuche und Haftandrohungen wegen pornographischer Filmarbeit", empört sich Regisseurin Nair.

    In den USA fiel der Film beim Publikum glatt durch, offenbar blieb "Kama Sutra" den Amerikanern zu fremd. Wie die deutschen Kinogänger auf den am 8. Mai anlaufenden Film reagieren werden, steht noch dahin. Ein Verdienst kann dem Film jedenfalls nicht abgesprochen werden: Er führt ebenso unterhaltsam wie eindrucksvoll in die indische Kulturgeschichte und macht den Zuschauer bekannt mit deren uralten Vorstellungen von Sexualität und Erotik.

    Von AP-Mitarbeiter Oliver Schmale

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