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Kritik: Endzeit aus dem Internet

Maden im Kühlschrank und ein gequälter Zombie, der nebst Kleidungsstücken aus einer Waschmaschine fällt, gehören noch zu den geringsten Schrecken, die der Thriller «Pulse – Du bist tot bevor du stirbst» verbreitet.

Denn in Jim Sonzeros Remake des japanischen Horrorstreifens «Kairo» (2001), der in Deutschland ebenfalls unter dem Titel «Pulse» lief, geht es um nichts weniger als um die Auflösung menschlicher Identität und sinnstiftender Kommunikation auf der Welt. Hervorgerufen wird dieser Zerfall durch moderne Technik, die eigentlich dem Zusammenhalt zwischen den Individuen dienen sollte: dem Internet.

Inhaltlich ambitioniert und ästhetisch aufwendig, geriet das Kinodebüt des als hip geltenden Werbefilmers Sonzero jedoch bedauerlich plakativ.

In einem College angesiedelt, wurde «Pulse» besetzt mit einer Reihe junger amerikanischer Darsteller, die sich erste Sporen bereits verdient haben. Als tapfere Heldin agiert die Psychologie-Studentin Mattie (Kristen Bell aus der US-TV-Serie «Veronica Mars»), die E-Mails erhält von ihrem Freund, der sich gerade umgebracht hat. Dabei ist sein PC noch nicht einmal angeschlossen.

Während ihre Umwelt sich mehr und mehr in einen Hort des Grauens verwandelt – Freunde atomisieren sich, Schattenwesen tauchen auf, die Nachrichten berichten von Suizid-Häufung – kommt Mattie gemeinsam mit dem coolen Bastler Dexter (Ian Somerhalder, Serienstar und Model) den Hintergründen auf die Spur: Wesen aus einem Zwischenreich scheinen via Internet das Unheil unter den Menschen zu verbreiten.

«Virtuelle Interaktion ist für mich der Sündenfall. Je mehr uns die Technologie verführt, desto stärker hängen wir von ihr ab. Wir verlieren unsere Menschlichkeit und isolieren uns voneinander», sagte der Regisseur in einem Interview.

Viel mehr als eine einseitige Umsetzung dieser allzu schlichten These ist sein Werk eigentlich auch nicht: Sonzeros Horror-Thriller bietet zwar einen wahren Kern, jedoch keine Möglichkeit, die Phänomene psychologisch differenziert nachzuvollziehen. Das Drehbuch schrieb übrigens der berühmte Genre-Regisseur Wes Craven («A Nightmare On Elm Street», 1984, «Scream» I bis III, 1996-2000).

Bei alledem zeichnet sich «Pulse» durch eine Albtraum-Bildersprache aus, die allzu stylish daher kommt: In kühlen Blau- und Grautönen und immer wieder auch in schwarz-weiß gehalten, wird die Leinwand von effektvollem Halbdunkel, flackerndem Licht, digital geschaffenen Geistern und Menschen, die flugs zu Luft mutieren, dominiert.

Von Ulrike Cordes, dpa

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