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    Kritik: Ein nachdenklicher New York-Trip

    Für Monty Brogan tickt die Uhr, denn seine Zeit in der Freiheit läuft ab. Der New Yorker Drogenhändler hat nur noch einen Tag, bevor er eine siebenjährige Haftstrafe antreten muss.

    Er nimmt Abschied von seinem Vater, seiner Geliebten und seinen Freunden - und der wird für den Protagonisten in Spike Lees Filmdrama "25 Stunden" zu einer melancholischen Odyssee durch ein pulsierendes New York, dessen Wunden nach den Terroranschlägen des 11. September noch frisch sind.

    Im Mittelpunkt: Ein sympathischer Krimineller

    In 25 Stunden wird sich das Leben des smarten Edel-Dealers radikal verändern. Und Monty (Edward Norton) fürchtet, als schmächtiger Weißer im Gefängnis schlimme Torturen erdulden zu müssen. An seinem letzten Tag in Freiheit trifft der gebildete Mittelklasse-Gangster seine junge Freundin, die er verdächtigt, ihn an die Polizei verraten zu haben, besucht seinen irischstämmigen Vater, einen bodenständigen Feuerwehrmann, und feiert mit Kumpels noch einmal in den New Yorker Bars.

    Mit seinem 14. Spielfilm hat der renommierte US-Regisseur Spike Lee sein bestes Werk seit Jahren vorgelegt und dafür im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale viel Lob bekommen. Nach etlichen politischen Thesenfilmen gegen die Diskriminierung der Schwarzen ist ihm mit der Verfilmung des gleichnamigen Romans von David Benioff eine sensible Filmelegie gelungen. Im Mittelpunkt steht die differenzierte Charakterstudie eines sympathischen Kriminellen, der einsieht, dass er für seine Schuld büßen muss.

    Exzellenten Hauptdarsteller tragen die Geschichte

    Scheinbar beiläufig, aber ernsthaft reflektiert der gebürtige New Yorker Lee als wahrscheinlich erster Regisseur in einem New Yorker Spielfilm die Folgen des 11. September für das Leben der Einwohner. Unterlegt mit einer gefühlvollen Jazz-Musik, macht der Regisseur seiner Heimatstadt damit zugleich eine anrührende Liebeserklärung. Ein Meisterwerk der Ironie ist vor allem die Sequenz, in der der verzweifelte Gangster mit Blick in den Spiegel sämtliche New Yorker Bürgergruppen beschuldigt, an seinem Elend schuld zu sein.

    Getragen wird die überzeugende Inszenierung vor allem von dem exzellenten Hauptdarsteller Edward Norton ("Fight Club"). An seiner Seite laufen auch Philip Seymour Hoffman, Brian Cox, Barry Pepper und Rosario Dawson zu Hochform auf.

    Reinhard Kleber, ddp

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