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    Kritik: Ein Junge vertraut dem falschen Vater

    Ein kleiner Junge irrt mit seiner Mutter im Jahr 1952 durch Rußland. Er träumt von seinem unbekannten Vater, einem gefallenen Soldaten. Da tritt ein wirklicher Mann in sein Leben, und bestimmt fortan die Geschicke der kleinen Familie.

    Dieser Tolya gibt sich als Offizier aus, in Wirklichkeit ist er ein Dieb, dem für seine Zwecke jede Lüge recht ist. Der Junge bewundert und liebt ihn zunehmend. Doch der falsche Offizier bleibt seiner Vaterrolle nicht lange treu. Die russisch-französische Coproduktion von 1997, "Der Dieb", kommt am 11. März in die Kinos.

    "Ich wollte einen Film über die Kindheit der Generation machen, die das heutige Leben des Landes beeinflußt", sagt der Moskauer Regisseur Pavel Chukhrai. Die poetische Geschichte erinnert an den oscargekrönten tschechischen Film "Kolya" von 1996. Man sieht den Offizier, die junge Mutter und ihren sechsjährigen Sohn in verschiedenen volkseigenen Mietskasernen wohnen. Nur weil die Uniform des Mannes auf die Vermieter vertrauenswürdig wirkt, erhalten sie überhaupt ein Zimmer zu dritt. Küche und WC müssen sie mit den anderen Bewohnern teilen.

    Dem Dieb Tolya, gespielt von Wladimir Machkow, fliegt dank seines männlichen Charmes und seiner Weltgewandtheit nicht nur die tiefe Liebe der jungen Witwe Katya (Ekaterina Rednikova) zu. Auch die Zimmernachbarn macht sich der Mann schnell zu Freunden, bevor er sie dann gnadenlos ausraubt. So ziehen das Paar und der Junge von Ort zu Ort.

    Tolya lehrt den kleinen Sanya, Konflikte stets mit Gewalt zu lösen: "Für ein Eis am Stiel mach ich jeden fertig, mußt du dir sagen, das merken die anderen und ziehen den Schwanz ein." Er spannt den Jungen sogar als Helfer bei einem Raubzug ein, und zerstreut die Bedenken Sanyas mit einer abenteuerlichen Geschichte, daß er gegen die Feinde des Landes kämpfe. Der siebenjährige Misha Philipchuk überrascht in der Rolle des Sanya durch sein Talent, Gefühle von Angst über Neugier bis Sehnsucht mit den Augen ausdrücken zu können.

    Der Film hat kein Happy-End. Die Familie auf Zeit bricht auseinander. Der Junge sehnt sich danach, daß ihn der Vater eines Tages holen kommt. Bei einem zufälligen Wiedersehen nach Jahren erkennt Sanya jedoch, daß der Herumtreiber Tolya keinerlei Vatergefühle für ihn hegt. Es kommt zu einer Tragödie. Außer den guten schauspielerischen Leistungen und der stimmigen Geschichte beeindrucken auch die atmosphärisch dichten, verträumten Bilder des Kameramannes Wladimir Klimov.

    Bianka Piringer, AP

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