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New York

Kritik: Ein düsteres Porträt

dpa

Oliver Stone ist als einer der prominentesten Regisseure in Hollywood fast so kontrovers wie es Richard Nixon als US-Präsident war. Sein neuer Film über den 1974 wegen der Watergate-Affäre schmachvoll gestürzten Politiker kommt kurz vor Weihnachten in die US-Kinos, aber in der amerikanischen Presse sorgt er bereits jetzt für Schlagzeilen. Wird der Kennedy-Verehrer Stone dessen konsequentesten Gegner als finsteren Teufel zeigen, dessen sich die Nation in alle Ewigkeit schämen sollte?

Doch Stone hat die Position des Demagogen vermieden, in der er durchaus geübt ist. Er hat sich bemüht, ein umfassendes, wenn auch naturgemäß nicht freundliches Porträt zu liefern, und er hat sich große Mühe mit der Zeichnung all der anderen damaligen Hauptakteure gegeben. Die Vorkritiken fallen deshalb wesentlich besser aus als bei Stones Film "JFK" von 1991, in dem ihm die Verschwörungstheorien um den Präsidentenmord weit wichtiger waren als die historische Einordnung.

In seinem neuen Film spielt der britische Oscar-Preisträger Anthony Hopkins die Hauptrolle, Präsident Richard Nixon. Schnell gab Stone den Versuch auf, den Briten von Maskenbildnern auf möglichst große Ähnlichkeit schminken zu lassen: Er hat jetzt nur Nixons Frisur, kolorierte Kontaktlinsen und eine leicht veränderte Oberlippe, aber nicht dessen "Skischanzennase". Sonst schafft es Hopkins mit Körpersprache, mit Nachzeichnung von Wutausbrüchen, Gebetsszenen, Überredungstaktiken vor Fernsehkameras im typischen Nixon-Stil. "Tony hat Nixon verinnerlicht – vielleicht für immer", sagt Stone.

Der Film weicht in seiner Handlung manchmal durchaus von der geschichtlichen Wahrheit der Watergate-Affäre ab, die Nixon zum Verhängnis wurde. Er hatte im Wahlkampf 1971 den Einbruch ins Hauptquartier seiner demokratischen Gegner im Watergate-Komplex in Washington vertuscht, bei dem es um skandalträchtige Munition für seine Kampagne ging. Anschließend gewann er trotzdem, aber seine zweite Amtszeit scheiterte an den immer neuen Enthüllungen über seine persönliche Verwicklung. Kurz vor seinem Sturz durch den Kongreß trat er zurück.

Stone wählte Paul Sorvino als Darsteller Henry Kissingers, der nicht nur Nixons Außenminister war, sondern in den letzten Wochen, Tagen und Stunden seiner Präsidentschaft auch engster Vertrauter. Bob Hoskins, ein anderer Brite, spielt FBI-Chef J. Edgar Hoover. Die zahlreichen Gerüchte um die Homosexualität des fast immer von Haßgefühlen beherrschten Mannes werden im Nixon-Film zu einer furchterregend-komischen Kombination: Während Hoover düstere Verschwörungen plant, blickt er lüstern auf die jungen Männer in seiner Umgebung.

Wichtigster Aspekt des dreieinviertel Stunden langen Films sind nicht etwa neue Erkenntnisse – alle Beteiligten und zahlreiche Historiker haben ihre Versionen bereits in Büchern veröffentlicht. Die Wirkung resultiert vielmehr daraus, daß ein großer Schauspieler wie Hopkins die dramatischen Szenen, die sich damals in aller Öffentlichkeit und – intensiver noch – hinter verschlossenen Türen abspielten, noch einmal oder zum ersten Mal sichtbar macht. Nixons vulgäre Sprache, dokumentiert auf zahlreichen Tonbändern, ist ein wesentlicher Beitrag zum Porträt.

Von Helmut Räther, dpa

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