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    Kritik: Eigenwilliges Erstlingswerk des Regisseurs Veit Helmer

    Gäbe es einen Preis für den eigenwilligsten Film, hätte "Tuvalu" beste Chancen. 92 Minuten lang wird in der deutschen Produktion kaum ein Wort geredet, und die Handlung spielt sich in trüben Schwarz-weiß-Bildern fast ausschließlich an einem Ort ab - einem verfallenen Schwimmbad.

    Dort arbeitet der weltfremde Bademeistergehilfe Anton unter dem strengen Regiment seines blinden Vaters Karl. Anton hat das Schwimmbad noch nie verlassen und träumt davon, als Kapitän über die Meere zu fahren.

    Doch er hat alle Hände voll zu tun, seinem Vater längst vergangene, bessere Zeiten vorzugaukeln. Er lässt ein Tonband mit den Stimmen und dem Plantschen der einst zahlreichen Badegäste laufen, täuscht dem Blinden eine heile Welt vor. Stolz sind beide auf die imposante Dampfmaschine "Imperial", die Temperatur und Luftdruck in dem Bad reguliert. Antons Leben bekommt eine neue Wendung, als die junge Kapitänstochter Eva das marode Bad betritt. Zwischen beiden entspinnt sich eine zarte Romanze. Voller Eifersucht beobachtet Antons geldgieriger Bruder Gregor das junge Glück.

    Er heckt einen teuflischen Plan aus: Durch die brüchige Decke wirft er einen Stein und trifft Evas Vater am Kopf tödlich. Anton kann seine Unschuld an dem Unfall nicht beweisen und muss mit ansehen, wie Eva bei Gregor Trost sucht. Zudem werden bei einer Inspektion erhebliche Mängel festgestellt, und dem Schwimmbad droht die Schließung. Eva erbt von ihrem Vater einen alten Schleppkahn. An Bord findet sie eine Karte der Insel Tuvalu in der fernen Südsee. Jetzt hat auch sie einen Traum: Sie will das Boot seetauglich machen und die Insel der Träume finden.

    Natürlich schippert sie irgendwann mit Anton dem geheimnisvollen Eiland entgegen. Wie traurig wäre doch ein Film mit solch düsteren Bildern ohne ein Happy End? Der Zuschauer muss jedoch über viel Fantasie und Geduld verfügen, um das ungewöhnliche Erstlingswerk des jungen Regisseurs Veit Helmer in allen Nuancen zu verfolgen und bis zum Ende zu überstehen. Auffallend gut sind allerdings die Hauptdarsteller Denis Lavant und Chulpan Hamatova. Sie können dem wortkargen Geschehen mit ihrer Ausdruckskraft mehr Attraktivität geben.

    "Tuvalu" ist ein Film für Liebhaber des Skurrilen und Bizarren. Es ist deshalb kaum vorstellbar, dass dieser international, jedoch ohne deutsche Stars besetzte Streifen die Sympathien des breiten Kinopublikums erobern wird. Trotzdem darf man auf Helmers weitere Arbeiten gespannt sein, konnte er sich doch mit seinem Erstling eine Nominierung für den Deutschen Filmpreis sichern. Ab 22. Juni ist "Tuvalu" in den Kinos zu sehen.

    Susann Huster, AP

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