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Kritik: Düstere "Komödie"

"Magnolia" war sein Durchbruch: Paul Thomas Anderson (33) ist einer der ehrgeizigsten Regisseure Amerikas – und wohl derzeit einer der besten. Sein Film-Universum ist verwinkelt, voller Figuren, die in der urbanen Öde gestrandet sind und mit sich und der Welt hadern.

Anderson liebt seine Anti-Helden und auch seine Schauspieler; wenn im amerikanischen Kino herausragende Charakterdarsteller auftauchen, dann meist bei ihm. Und so wurde sein neuer Film "Punch-Drunk Love" von der Kritik mit Spannung erwartet, an "Magnolia" reicht er aber nicht heran.

Immer wieder haarscharf am Abgrund vorbeigeschrammt

Für die Hauptrolle hat sich Anderson diesmal ausgerechnet Adam Sandler ausgesucht, der sonst in harmlosen Popcorn-Movies wie "Big Daddy" zu sehen ist. Der zweite Bruch mit den Erwartungen ist, dass der Regisseur den Film partout als "Romantic Comedy" verkauft. Tatsächlich geht es in der Liebesgeschichte um ein Paar, das stets haarscharf am Abgrund vorbeischrammt und schließlich zueinander findet. Das Ganze ist jedoch so bitter, dass der Film eher als "manisch-depressive Komödie" deklariert werden sollte, wenn es dieses Genre denn gäbe.

Adam Sandler spielt Barry Egan, einen kalifornischen Geschäftsmann, der einen obskuren Handel mit Toiletten-Saugern betreibt und sieben Schwestern hat, die ihm – gelinde gesagt – auf die Nerven fallen. In einer Nebenhandlung machen ihm auch noch ein schmieriger Betreiber einer Sex-Hotline (Anderson-Stammgast: Philip Seymour Hoffman), eine Telefonsexdame (Ashley Clark) und ein Schlägertrupp zu schaffen.

Ein Film über die Unwägbarkeiten des Lebens

So weit, so schräg. Dann kommt Barry auch noch auf die Idee, Gutscheine von Puddingbechern zu sammeln, weil er damit an Bonusmeilen kommen will, die ihm für den Rest seines Lebens Freiflüge ermöglichen würden. Wem das bekannt vorkommt: Den "Pudding Guy", der mit seiner Sammelwut bei den Fluglinien berüchtigt war, gab es tatsächlich. Anderson basiert sein Drehbuch also auf einer Art "Geschichte hinter der Meldung".

In Barrys bizarre Welt schreitet eines Tages die blonde Lena Leonard, gespielt von Emily Watson. Warum sie sich in den linkischen Neurotiker mit dem immer gleichen blauen Anzug verliebt, erklärt Anderson nicht – muss er auch nicht. Denn nachdem am Anfang des Films mit gewaltigem Getöse ein Harmonium einfach so auf die Straße scheppert, ahnt der Zuschauer: Die Frage nach dem Sinn ist müßig. Stattdessen spielt Anderson mit den Erwartungen, und genauso, wie es in "Magnolia" Frösche regnet, wartet auch "Punch-Drunk Love" mit einigen Überraschungen auf – ein Film über die Unwägbarkeiten des Lebens also.

Eher ein blasses Frühwerk

Viele amerikanische Kritiker waren begeistert, für die Regiearbeit gab es bei den Filmfestspielen in Cannes 2002 einen Preis. Adam Sandler zeigt, dass er im Charakterfach glänzen kann und gibt seiner Figur intensive wie beklemmende Momente, auch Emily Watson überzeugt. Dazu hat Anderson eine ganze Reihe von Laien vor die Kamera geholt, so sind zum Beispiel einige von Barrys Schwestern tatsächlich Schwestern, was einen Touch vom dänischen "Dogma"-Charme hat. Und dennoch: Gemessen an Andersons Dreistunden-Epos "Magnolia" wirkt "Punch-Drunk Love" wie ein eher blasses Frühwerk, das die Qualitäten des Regisseurs erahnen lässt.

Caroline Bock, dpa

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