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Kritik: Die Liebe eines genialen Kochs

Verblüffende Detailtreue, aufgesetzte Liebesgeschichte

In unserer Wohlstandsgesellschaft erfreuen sich die Meister des Herdes seit Jahren wachsender Beliebtheit, TV-Köche wie Johann Lafer sind inzwischen Kult. Im Jahr 1671 lebten die normalen Sterblichen Mitteleuropas keineswegs im Überfluss. Doch das traf natürlich überhaupt nicht auf Frankreichs Sonnenkönig Ludwig XIV. und seinen Hof zu.

Die winzige absolutistische Herrschaftsklasse lebte in Saus und Braus auf Kosten ihrer Untertanen. Für sie war das Leben eine einzige sinnliche Inszenierung mit unstillbarer Gier nach neuen Steigerungen, neuen Sensationen. Deshalb waren begabte Inszenatoren der opulenten und möglichst kurzweilig gestalteten Völlereien des Hochadels gesuchte, ja heftig umworbene Leute. Einer der genialsten unter diesen war der Meisterkoch Francois Vatel, von dessen Tragödie Roland Joffes am 31. Mai anlaufender Film "Vatel" nach einem Drehbuch von Tom Stoppard erzählt.

Die Handlung spielt an drei Tagen auf dem prächtigen Schloss Chantilly, dem Sitz des unter finanziellen wie gesundheitlichen Problemen leidenden Prinzen de Conde, einem erfahrenen Kriegsherrn. Der bekommt unverhofft eine große Chance, die eine noch größere Herausforderung ist: Der junge Sonnenkönig Ludwig XIV. hat sich mitsamt seinem gewaltigen Hofstaat zum Besuch angesagt. Der berühmteste aller absolutistischen Herrscher Frankreichs tut das nicht ohne Hintergedanken, will er sich doch der Dienste des Prinzen für einen eventuellen Feldzug gegen die Niederlande versichern.

Auf Chantilly jedenfalls herrscht hektische Betriebsamkeit. Denn der Besuch des Königs soll so luxuriös und amüsant gestaltet werden wie nur irgend möglich, um die dringend benötigte Gunst des Hofes zu erringen. Nur einer kann das garantieren: Francois Vatel. Nur er ist der Mann, der ein Fest zu einer faszinierenden Inszenierung für alle fünf Sinne gestalten kann. Denn Vatel ist nicht allein souveräner Herrscher über die Kochtöpfe, sondern auch ein begnadeter Arrangeur der damals üblichen, heute unvorstellbaren Fressgelage der Privilegierten. Joffes Film bringt diese Orgien des Magens und der Augen mit unerhörtem Aufwand auf die Leinwand.

Darin besteht die Hauptleistung des Streifens, den Ablauf eines hochadeligen Festes zu jener Zeit mit verblüffender Detailtreue nachgezeichnet zu haben. Der Ausstatter Jean Rabasse und die für die Kostüme zuständige Yvonne Sassinot de Nesle haben fantastische Arbeit geleistet, und man möchte sich nicht sattsehen an den Szenen in der Küche, im Schloss, an dem eleganten Zauber gemalter Kulissen. Leider kann die Geschichte, die um die historisch verbürgte Gestalt Vatels fabuliert wird, da nicht mithalten. Denn die Liebe des Meisterkochs zu Anne de Montausier, Lieblingsmaitresse des Sonnenkönigs, wirkt doch arg konstruiert.

Wie soll der während der drei Festtage total gestresste Vatel eigentlich noch für weiblichen Liebreiz empfänglich gewesen sein? Solch eine übermenschliche Leistung nimmt man noch nicht einmal dem robusten Kraftpaket Gerard Depardieu ohne weiteres ab. Als Koch ist der immer schwergewichtigere Franzose hingegen völlig glaubwürdig. Die Amerikanerin Uma Thurman spielt die schöne Anne mit jener blassen Anmut, die dieser Darstellerin eigen ist. Der mit dicker Perücke beschwerte Tim Roth hat eine Schlüsselrolle als zynisch-intriganter Marquis, die weiteren Rollen sind allesamt gut besetzt. Doch der Star des Films ist seine sensationelle Ausstattung. Wem das genügt, wird mit "Vatel" bestens bedient.

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Schnörzen, Dotzen oder Gribschen - Wer tut's noch?

Nach dem Martinszug ziehen die Laternenkinder mit ihren Eltern nochmal los. Sie klingeln an Haustüren, singen Martinslieder und bekommen dafür Mandarinen, Nüsse oder Süßigkeiten. Dieser Brauch heißt je nach Region Schnörzen, Dotzen oder Gribschen. Aber gibt es diese Tradition überhaupt noch?

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