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    Kritik: Die dunkle Seite der Macht

    Irgendwo in New York: Ein Cop und ein Dealer liefern sich eine Schießerei, die für beide tödlich endet. Und auch ein sechsjähriger Junge stirbt - das Opfer eines Querschlägers.

    Was zunächst nur wie eine dramatische Polizeiaktion aussieht, entpuppt sich schon bald als handfester Politskandal. Denn der Dealer hätte eigentlich im Knast sitzen müssen. Wenige Wochen zuvor war er mit einem Kilo Heroin geschnappt worden. Doch aus unerklärlichen Gründen kam er mit einer Bewährungsstrafe davon.

    Der Fall beschäftigt bald auch den liberalen Bürgermeister John Pappas (Al Pacino). Sein Vertrauter Kevin Calhoun (John Cusack) versucht die Affäre klein zu halten. Vergeblich: Schon wenig später sind Mafiabosse, der Vorsitzende der demokratischen Partei in Brooklyn und windige Grundstücksspekulanten in den Vorfall verwickelt.

    Als auch noch die Anwältin Marybeth Cogan (Bridget Fonda) ins Spiel kommt, wird es ernst: Sie konfrontiert den loyalen Bürgermeistergehilfen mit brisanten Enthüllungen und Details. Je mehr sich das Skandal-Puzzle zusammensetzt, desto schwerer fällt es Calhoun, den Vorfall in der Öffentlichkeit herunterzuspielen. Nach anfänglicher Antipathie arbeitet er mit Marybeth zusammen und macht sich auf die Suche nach den Hintergründen. Das Ergebnis seiner gefährlichen Recherche ist schockierend...

    Das zynisch-realistische Korruptionsszenario von "City Hall" stammt aus der Feder von gleich vier begnadeten Drehbuchautoren: Paul Schrader ("Taxi Driver"), Nicholas Pileggi ("Casino"), Bo Goldman ("Einer flog über das Kuckucksnest") und dem Newcomer Ken Lipper. Regisseur Harold Becker ("Sea of Love - Melodie des Todes") erzählt deren Geschichte über die schmale Grenze zwischen politischen Gefälligkeiten und organisierter Kriminalität ohne reißerische Paukenschläge, dafür mit abgeklärter Coolness. In manchen Szenen, etwa wenn Pacino die Beerdigung eines Kindes in eine Wahlkampfveranstaltung verwandelt, läuft Bekker dabei zu sarkastischer Höchstform auf.

    Und so ist "City Hall" weniger ein Krimi als vielmehr ein lakonischer Abgesang auf das Ideal des aufrechten Politikers geworden. Den, behauptet "City Hall", gibt es nämlich einfach nicht.

    Copyright: TV TODAY, 1996

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