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    Kritik: "Der englische Patient"

    Hamburg (dpa) - Dieser Film ist eine Reise - im Kinosessel versunken hebt man ab in die Welt der großen Leidenschaften und Gefühle, überfliegt gleich zu Beginn die strahlend gelben Wellenlandschaften der nordafrikanischen Wüste, um etwas später im satt-dunklen Grün der Toskana Station zu machen. "Eine Liebesgeschichte, vom Krieg verkompliziert, eine Agentengeschichte, von der Liebe verkompliziert", nennt Regisseur Anthony Minghella sein Werk "Der englische Patient". Die für zwölf "Oscars" nominierte Verfilmung von Michael Ondaatjes gleichnamigem Erfolgsroman, die auch im Berlinale-Wettbewerb startete, kommt am nächsten Donnerstag in die deutschen Kinos.

    Leidenschaft brauchte es von Anfang an, um aus dem vielschichtigen Roman einen Film zu machen. Saul Zaentz, einer der letzten großen unabhängigen US-Produzenten, hatte es das Buch jedoch angetan. zusammen mit Minghella und Ondaatje schälte er in vielen Gesprächen die vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs spielende Geschichte heraus, die in den USA begeisterte Kritiken erntete und zu "Globe"-Ehren kam. Ein ungarischer Adliger (Ralph Fiennes), der in der Wüste Ägyptens Höhlenforschungen macht, verliebt sich unsterblich in die Frau (Kristin Scott Thomas) eines Teamkollegen - eine verzwickte Liebesgeschichte vor den Wirren des Krieges, unter flirrender orientalischer Sonne, nimmt ihren Lauf.

    Doch das geschieht keineswegs geradlinig. Immer wieder werden den Wüstenbildern Sequenzen aus Oberitalien entgegengesetzt. Dort pflegt in einem verlassenen Kloster eine britische Krankenschwester (Juliette Binoche) einen Patienten, der nach einem Flugzeugabschuß bis zur Unkenntlichkeit von Brandwunden entstellt ist und sein Gedächtnis verloren hat. Nach und nach gewinnt er durch ihre beständige Zuwendung die Erinnerung zurück. In Rückblenden setzen sich die dramatischen Geschehnisse in Ägypten mosaikartig zu einem Ganzen zusammen. Ein grandioses Panorama, das die Gefühle der Protagonisten eng mit dem Charakter der Landschaften verknüpft.

    Eine hochkarätige Besetzung tut das ihrige hinzu. Kristin Scott Thomas spielt die selbstbewußte Katherine, die sich erst zögerlich für Almasy erwärmt, mit unprätentiösem Charme. Vor allem aber überzeugt Ralph Fiennes als in sich gekehrter Almasy - angesichts seiner Verschlossenheit wirkt bereits die kleinste Geste aufgeladen mit großem Gefühl. Es braucht nur Blicke, daß der berühmte Funken überspringt. Juliette Binoche, ebenfalls "Oscar"-nominiert, kommt dabei erfrischend natürlich und unmysteriös daher - als Naturkind, mit zerzauster Frisur und ausgreifenden Schritten. "Ich mag die Rolle der Hana sehr", sagte Binoche in Berlin. Hana verkörpere ein Grundprinzip, das auch für sie selber gelte: "Man kann nur wirklich stark sein, wenn man auch verletzlich ist."

    Willem Dafoe, der einen Agenten spielt, erzählt ebenso begeistert von den Erfahrungen während der Dreharbeiten, vom Teamgeist und von der Toskana. "Für einen Amerikaner, der wie ich im Mittleren Westen aufgewachsen ist, war die Begegnung mit dieser europäischen Kulturlandschaft ein starker Eindruck." Dieser Film ist eine Reise - nicht nur auf der Leinwand. Und wer nach mehr als zwei Stunden Kino- Höhenflug wieder zur Landung in den grauen Alltag ansetzt, sollte das Taschentuch zur Hand haben - und braucht sich dafür nicht zu schämen.

    Von Andrea Barthelemy, dpa

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