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Kritik: Der Club der toten Skipper

Filmemachen bedeutet für Ridley Scott mit schönen Jungs schöne Der Regisseur von Blade Runner, Alien und Black Rain hat es schon immer verstanden, seine Helden eine gute Figur abgeben zu lassen. Diesmal hat er ein ganzes Schulschiff schöner junger Männer zur Verfügung, und dazu auch noch den ohnehin sagenhaft attraktiven Jeff Bridges als Kapitän. Man könnte dem Film durchaus vorwerfen, daß er manchmal so aussieht, als würden Calvin Klein oder Ralph Lauren eine Modenschau auf hoher See veranstalten. Andererseits ist der schöne Schein im Kino nicht unbedingt etwas Anrüchiges .

Die Anmerkung, daß es sich bei White Squall um eine wahre Geschichte handelt, verleiht dem Drama auch nicht unbedingt größere Tiefe. Tatsache ist, daß der Kapitän des Schulschiffes bei einem Unwetter, seine Frau und vier Schüler verloren hat und dafür später wegen Fahrlässigkeit vor Gericht gestellt wurde. Scott interessiert sich allerdings weniger für die Schuldfrage, als für das Problem, wie aus Jungs Männer werden und welchen Preis sie dafür zu zahlen haben.

White Squall ist eine Art Club der toten Dichter auf hoher See. Ein Lehrer mit ungewöhnlichen Methoden, Schüler mit unerträglichen Eltern, und am Ende eine Geste der Solidarität, die zeigt, daß der Geist des Lehrers in den Schülern weiterlebt. Und wie bei Peter Weir nährt sich der Film aus dem Kontrast zwischen äußerer Schönheit und inneren Zwängen. Wo dort der verrückte Robin Williams die Schüler faszinierte, ist es hier der mürrische Jeff Bridges. Am Unglück hat er so wenig Schuld wie Williams am Selbstmord des Schülers, aber seine Figur hält so viel Distanz zu ihrer jugendlichen Besatzung, daß sie wie ein Fremdkörper in der Geschichte wirkt. Man weiß nie so recht, an wessen Perspektive Scott eigentlich gelegen ist, so daß sich am Ende einfach immer nur der spektakulärste Blickwinkel durchsetzt.

Richtig zu Hause scheint sich Ridley Scott nur in fiktiven Welten zu fühlen, wo er davon lebt, das Fremde mit einer Aura des Unheimlichen und Mysteriösen zu versehen. Keiner kann wie er Orten eine Atmosphäre verleihen, die sie wie Schleusen zu einer anderen Welt wirken läßt: Das gilt für Alien und Blade Runner ohnehin, aber auch für Mimi Rogers' Luxus-Apartment in Der Mann im Hintergrund oder das Tokio in Black Rain. Wenn es jedoch darum geht, seine Geschichten in einer handfesten Wirklichkeit zu verankern, wirkt er immer etwas verloren. Unter freiem Himmel versagen seine Instinkte.

MICHAEL ALTHEN USA 1996 – Regie: Ridley Scott. Buch: Todd Robinson. Kamera: Hugh Johnson. Musik: Jeff Rona. Darsteller: Jeff Bridges, Caroline Goodall, John Savage, Scott Wolf, Balthazar Getty. Verleih: Jugendfilm, 127 Minuten.

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