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Kritik: Depardieu brilliert bei Chabrol

Frankreichs Schauspiel-Superstar Gérard Depardieu und der mit fast sechzig Filmen in fünf Jahrzehnten legendäre Regisseur Claude Chabrol haben erstmals zusammen gearbeitet. Herausgekommen ist das Meisterwerk Kommissar Bellamy.

Es handelt sich um einen Krimi voller schwarzem Humor und satirischer Betrachtung der bürgerlichen Gesellschaft. Vor Jahren wollten die zwei Giganten des französischen Kinos schon einmal miteinander arbeiten. Doch das angekündigte Balzac-Projekt zerschlug sich. Chabrol aber ließ die Idee, den von ihm verehrten Schauspieler in einem seiner Filme zu besetzen, nicht los. «Ich habe lange nach einem geeigneten Stoff gesucht», erzählt der Regisseur. Doch er wurde zunächst nicht fündig. Deshalb, so ergänzt er, «habe ich Gérard eine Rolle auf den Leib geschrieben.» Die beiden künstlerischen Schwergewichte bieten eine herrlich vertrackte, sich vor tragischen Tönen nicht scheuende Geschichte um einen Versicherungsbetrug mit Todesfolge. Das erinnert in der Dichte der Inszenierung an die besten Thriller von Claude Chabrol, wie etwa «Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen» (1975). Hinzu kommt Besonderes: Der Regisseur zeigt in der als Familiendrama arrangierten Story auch Mut zum augenzwinkernden Selbstporträt.

Gérard Depardieu brilliert als Pariser Kommissar Paul Bellamy. Wie schon oft verbringt der den Urlaub mit Gattin Françoise (Marie Bunel) in Südfrankreich. Ein Fremder (Jacques Gamblin) sucht seine Nähe. Der Mann behauptet, einen Menschen ermordet zu haben. Bellamy ermittelt und landet in der eigenen Vergangenheit. Zudem sorgt sein Halbbruder Jacques (Clovis Cornillac) für ein emotionales Chaos. Erholsam sind diese Ferien nicht. Claude Chabrol hat seinem Hauptdarsteller offensichtlich sehr viel Raum zur Selbstentfaltung gegeben. Depardieu nutzt das nicht für Effekthascherei, sondern agiert höchst diszipliniert und sparsam, um eine reiche Charakterstudie zu entwickeln. Gerade wegen seiner Zurückhaltung erreicht er eine ungeheure Wirkung und knüpft an seine besten Rollen an.

Nicht zufällig beginnt der Film mit einem Kreuzworträtsel, das Kommissar Bellamy zu lösen versucht. Die ganze Erzählung besteht aus Rätseln und Spielen mit Namen, Wörtern und deren Bedeutungen, Vermutungen. Wobei Chabrol hinreißend trickreich mit offenen und versteckten Verweisen arbeitet. Selbst geübte Krimigucker werden damit lustvoll an der Nase herum geführt. «Kommissar Bellamy» ist dem Schriftsteller Georges Simenon, Vater von Kommissar Maigret, und dem Chansonnier Georges Brassens gewidmet. Letzterer wird mit einer herrlich verrückten Szene geehrt: Ein Anwalt singt vor Gericht sein Lied «Quand les cons sont braves» (Wie tapfer die Idioten sind). Das ist wirkungsvoller als alle heutzutage übliche Kino-Gewalt. Auf die verzichten Chabrol und Depardieu. Sie wissen, dass hintergründige Spannung das Publikum viel nachhaltiger packt. Hier schleicht der Tod auf leisen Sohlen. Gänsehaut garantiert.

Peter Claus

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