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Kritik: De Niros und Crystals brillante "Nervensache"

Seit zwei Jahrzehnten gilt er als Idealbesetzung für kaltblütige Gangsterrollen. Nun begibt sich Robert de Niro auf den gefährlichen Grad der Selbstparodie. Im neuen Hollywooderfolg "Reine Nervensache" brilliert er in der Rolle des New Yorker Mafia-Bosses Paul Vitti.

Dieser wagt von Angstattacken, Schießhemmungen und Erektionsproblemen geplagt den ungewöhnlichen Gang auf die Couch des Psychiaters. Dort sitzt ausgerechnet Ben Sobol (Billy Crystal), ein Jammerlappen seiner Therapeutenbranche – und die Zeit drängt: Denn bei der anstehenden Mob-Konferenz soll Gangster Vitti das Erbe seines ermordeten Mentors und Ziehvaters übernehmen.

De Niro zeigt sich zwar erneut als fieser und hinterhältiger Italo-Gangster, doch interpretiert er sein Image in diesem Streifen erstmals humorvoll. Mal heult er hemmungslos in den Armen seines pockennarbigen Leibwächters (brillant und unübersehbar: Joseph Viterelli), wenige Szenen später setzt er das eiskalte Lächeln des Dons auf und bedient den Abzug.

Ihm zur Seite steht Komiker Crystal, der als Psychoanalytiker Sobol weniger die Welt der blauen Bohnen als vielmehr die bevorstehende eigene Hochzeit im Sinn hat. Medienrummel lehnt er im Gegensatz zu seinem egozentrischen Vater ab. In Sobols Praxis tummeln sich daher lediglich langweilige Neurotiker und stumpfsinnige Miesepeter. Nun soll der Seelenklempner – die Pistole auf der Brust – den Gangster von seinen Ängsten heilen; und Widerspruch ist beim Mobster zwecklos, wenn nicht gar lebensgefährlich. So fügt sich Sobol und taucht widerwillig ein in die – zumindest im US-Original – auch sprachlich fremde Welt der Mafiosi.

Auf dem jeweils neuen Parkett ergänzen sich Vitti und Sobol (fast) perfekt, wenngleich es anfängliche Unsicherheiten auszugleichen gilt. In einer der herausragend witzigen Szenen versucht der Seelenarzt dem König der Unterwelt zu erklären, was sich hinter dem Ödipuskomplex verbirgt.

Komödien-Spezialist Harold Ramis ("Ghostbusters") beweist sich in "Reine Nervensache" als wahrer Kenner der "Paten"-Ära und nimmt die Szene der schwarzgekleideten Schnellschützen ebenso bravourös auf die Schippe wie alle gängigen Mafia-Klischees der Filmbranche. Seine Farce verbindet gekonnt und mit Liebe zum Detail die Genres von Mafiafilm und Komödie.

Martin Oversohl, dpa

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