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Kritik: Brillante Hörbiger

Die Kölner Parkallee ist nicht die New Yorker Park Avenue, ein Mercedes kein Cadillac und die Wirklichkeit leider komplizierter als ein Kriminalroman. Das weiß der Gauner Dortmunder (Herbert Knaup) eigentlich ganz genau. Trotzdem läßt sich der Anführer eines chaotischen Gangsterhaufens auf den kessen Vorschlag seines Kumpanen Kelp (Rufus Beck) ein.

Gemeinsam mit dem Autoknacker Mörsch (Roman Knizka) wollen sie einen Millionärssohn entführen. In dem 1972 erschienenen Krimi "Jimmy The Kid" liest sich der Plan ganz einfach, doch schon bei der Auswahl des Entführungsopfers kommen die drei ins Schleudern.

Ausgerechnet auf die zehnjährige Jenny (Sophie Moser) haben die Gangster es abgesehen – zunächst unwissentlich. "Das ist ja ein Mädchen", erschrickt Kelp, als das Trio nach wochenlangem Ausspionieren eines "Millionärswagens" entdeckt, daß darin kein Junge, sondern die kleine Jenny zur Schule gefahren wird. Doch das Trio, unterstützt von Mutter Mörsch (Christiane Hörbiger) und Dortmunders Geliebter, setzt sich über diese kleine Abweichung vom Plan forsch hinweg – was kann ein kleines Mädchen schon gegen erwachsene Gangster ausrichten? Eine Menge, denn der Intelligenzquotient der Kleinen ist weit höher als der aller drei Ganoven zusammen.

"Hören Sie: Kindesentführung ist ein Schwerverbrechen und wird nicht unter zehn Jahren Haft bestraft", zitiert Jenny das Strafgesetzbuch, als die trotteligen Gauner sie schnappen. Ihr alleinerziehender Vater (Jophi Ries), ein beziehungsunfähiger Geschäftsmann, verdient 700 Millionen im Jahr – fünf davon wollen die Gangster nun erpressen. Doch das Trio ist nicht wirklich so böse, wie es sich für anständige Entführer gehört: Jennys Versteck ist mit bunten Stofftieren und einer "Herzlich Willkommen"-Girlande geschmückt. Schon bald weiß die emotional vernachlässigte Göre diese Menschlichkeit zu schätzen und macht fortan mit den Gangstern gemeinsame Sache.

Der Kameramann Wolfgang Dickmann gibt mit der straff inszenierten Krimikomödie sein Regiedebüt. Der Film ist gespickt mit witzigen Details, sei es Andy Warhols vergeblich gesuchte "Tomatensuppe", die zum Running Gag wird, oder die Aufschrift "Schon mal Millionär gewesen?" auf dem Fluchtwagen der Entführer. Die Dialoge sind knapp, und so wird "Jimmy The Kid" zu einer unterhaltsamen Komödie für die ganze Familie.

Katja Kullmann, dpa

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Nach dem Martinszug ziehen die Laternenkinder mit ihren Eltern nochmal los. Sie klingeln an Haustüren, singen Martinslieder und bekommen dafür Mandarinen, Nüsse oder Süßigkeiten. Dieser Brauch heißt je nach Region Schnörzen, Dotzen oder Gribschen. Aber gibt es diese Tradition überhaupt noch?

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