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Kritik: Blutiger Terror im australischen Outback

«Keine Sorge, ich pass' auf mich auf», schreibt die junge Australien-Urlauberin Liz zu Beginn des Films «Wolf Creek» ihren Eltern daheim in England. Das ist natürlich ein Trugschluss.

Die nackten Fakten: Jährlich werden 30 000 Menschen in Australien als vermisst gemeldet, 3000 von ihnen tauchen nie wieder auf. Wenn Regisseure wie Quentin Tarantino («Pulp Fiction») und Robert Rodriguez («From Dusk Till Dawn») sich in Lobeshymnen ergehen wie «einer der größten Horrorfilme der letzten 25 Jahre» und «so realistisch wie Horror nur sein kann», dann bekommt der Zuschauer schon eine Vorstellung davon, was ihn beim Erstlingswerk des Australiers Greg McLean erwartet.

Dabei beschränkt sich McLean jedoch nicht auf subtiles Grauen wie in «Blair Witch Project». Er lässt seine Geschichte auch nicht – wie Tarantino und Rodriguez es machen – ins Groteske abgleiten. McLean mutet dem Publikum eine Überdosis an sadistischen Grausamkeiten mit all ihrer blutigen Vielfalt in Nahaufnahmen zu: Kameratechnisch durchaus raffiniert – aber in dem vermeintlichen Realismus kaum zu ertragen. Der Film beruft sich auf wahre Begebenheiten.

Dass Rucksacktouristen extrem gefährlich leben, weiß der Genre-Fan spätestens seit «Hostel». Und an diese Klientel richtet sich wohl auch der für mehrere Preise – nicht zuletzt auf dem renommierten Sundance-Festival – nominierte Film «Wolf Creek». Die erste Hälfte ist ein Roadmovie. Der Regisseur führt die drei Hauptcharaktere gelungen ein: Liz (Cassandra Magrath) und Kristy (Kestie Morassi) wollen mit ihrer Strandbekanntschaft, dem jungen Australier Ben (Nathan Phillips), einen Ausflug ins Outback machen und haben zunächst nur Party, Musik, Alkohol und Kiffen im Sinn.

Gleichzeitig sind die drei von der Schönheit der Natur begeistert. Je weiter das Trio in die Einsamkeit der australischen Landschaft eintaucht, desto mehr unheimliche Momente schleichen sich ein: ein unappetitliches Zusammentreffen mit Einheimischen in einer Tankstellen-Kneipe; Tierknochen auf dem Wanderweg; die Uhren bleiben stehen; das Auto springt nicht mehr an.

Sonja Puhl, dpa

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